Dispensationalismus

Kommentar zum Korintherbrief (#16) – Erstens Apostel, zweitens Propheten

Und einige hat Gott in der Versammlung eingesetzt: Erstens als Apostel, zweitens als Propheten, drittens als Lehrer, sodann Kraftwirkungen [gr.: dunamis], sodann Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Regierungen, Arten von Sprachen. (1. Kor. 12:28)

Diesen Vers muss man ersteinmal auf sich Wirken lassen. Es fällt als erstes auf, dass Paulus hier wieder keine vollständige Aufzählung liefert, das sehen wir schon allein daran, dass er einige Verse vorher Gaben genannt hat, die hier nicht aufgezählt werden. Wenn wir dann noch genauer hinschauen, merken wir, dass Paulus die Aufzählung nicht mit Gnadengaben beginnt, sondern mit den Diensten (oder auch „Ämtern“): Zuerst hat Gott Menschen eingesetzt, und zwar als Apostel (das ist keine Gnadengabe, sondern ein Amt, zu dem man von Gott berufen wird, siehe 1. Kor 1:1, Röm 1:1, 2. Kor 1:1, Gal 1:1 und viele andere Verse), zweitens Propheten und drittens Lehrer. Wenn wir diese Aufzählung mit der aus Epheser 4:11 vergleichen (Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer) so merken wir, das die ersten beiden Ämter in der Reihenfolge übereinstimmen, die anderen nicht. Dies ist ein sehr wichtiger Hinweis, der im Neuen Testament sogar ein drittes Mal betont wird, und zwar im 2. Kapitel des Epheserbriefes, wo Paulus die Grundlage der Gemeinde beschreibt:

…aufgebaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, indem Jesus Christus selbst Eckstein ist (Eph 2:20)

Dieser Vers gibt uns einen Hinweis auf die Wichtigkeit dieser beiden Dienste, die im Neuen Testament auffällig oft im Zusammenhang genannt werden (siehe dazu auch Luk 11:49, 2. Petr 3:2, Offb 18:20). Die Gemeinde steht und fällt mit diesen beiden Ämtern. Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Amt immer in Verbindung mit einer Person und deren Leben steht. Das Wort „Dienst“ ist hier ein wenig irreführend, es lässt uns denken, es ist etwas, was man eine Weile tut, aber aus dem Kontext der Bibel sehen wir, dass das Wort „Dienst“ oder „Amt“ niemals so gebraucht wird. Stattdessen stehen die Ämter immer im Zusammenhang mit der Berufung, das sehen wir in so vielen Versen, nicht allein schon in den Anfangsversen der paulinischen Briefe, von denen ich oben schon einige genannt habe. Ein Amt ist eine Berufung, die so ausgelegt ist, dass mein ganzes Leben eine Vorbereitung ist, damit ich diese Berufung ausfülle. Bis Mose sein Amt als Prophet und als Gesandter Gottes (das bedeutet nichts anderes als „Apostel“) beginnen konnte, musste er viel leiden und durchmachen, sein Leben war von Anfang an dazu bestimmt, ihn zu dem Mann zu formen, der später das Volk Israel aus der Wüste führen sollte, dazu gehörte auch die 40-jährige Wartezeit in der Wüste. So können wir viele Beispiele von Männern Gottes aus der Bibel durchgehen, z.B. Josef, alles was ihm vorher passierte, der Verrat seiner Brüder, sein Dienst als Sklave, seine Zeit im Gefängnis, all dies war eine Vorbereitung, damit er seine Berufung als Führer des Volkes in Demut ausüben konnte. Ein anderes Beispiel ist David. Wir wissen von David, dass er nicht nur ein König war, sondern auch ein Prophet – aber bis er seinen Dienst antreten konnte, mussten viele Jahre vergehen, Jahre in denen er Schafe gehütet hatte, in denen er vor Saul fliehen musste und um sein Leben fürchtete. Ein Dienst oder Amt ist nicht einfach eine Gnadengabe, die auf Glauben hin verliehen wird, nein, es ist unsere Berufung, unsere Bestimmung, die Gott für uns ausgesucht hat. Auf diese Bestimmung hin hat Gott unser Leben geplant, all unsere Situationen die wir erleben tragen entweder dazu bei, dass wir dieser Bestimmung näher kommen und sie festmachen (2. Petr. 1:10) oder dass wir uns von ihr entfernen. Ein Amt ist nicht etwas, was man schnell bekommt, eine Zeit lang ausübt und sich dann wieder anderen Aufgaben zuwendet. Ich möchte hier nicht ausführlicher auf den Unterschied zwischen Gaben und Ämtern eingehen, da es zu sehr vom Thema wegführt. Falls hier fragen auftauchen, so könnt ihr mit e-Sword alle Verse heraussuchen, wo diese Worte gebraucht werden, und dann genau untersuchen, in welchem Kontext und mit welcher Bedeutung diese Worte gebraucht werden (es bringt absolut keine geistliche Erkenntnis, wenn wir uns ein Wörterbuch nehmen und diese Begriffe im Wörterbuch nachschlagen. Die Bedeutung der Worte ändert sich von Zeit zu Zeit, und in den Wörterbüchern stehen die Definitionen von Menschen. Daher ist unsere einzige Möglichkeit, die ursprüngliche und volle Bedeutung eines Wortes herauszufinden, alle Verse in der Bibel nachzuschlagen und genau beachten, wie diese Worte benutzt werden, welche anderen Worte mit ihnen im Zusammenhang stehen, usw. Dies kann eine Weile dauern, normalerweise erschließt sich die Bedeutung nicht sofort, denn auch hier sind wir auf die Hilfe des Heiligen Geistes angewiesen, der uns in alle Wahrheit leiten wird).

Wir sehen also, dass zwei Ämter für die Gemeinde ausschlaggebend sind, nämlich das Amt des Apostel und das Amt des Propheten. Falls jemand genauer wissen möchte, was diese Worte alles bedeuten, dem seien die Bücher von Arthur Katz empfohlen, und zwar „Auf der Grundlage der Apostel“ und „The Prophetic Call“ (umsonst online unter www.benisreal.org).

Schon Darby hatte die Wichtigkeit dieser Dienste anerkannt und da er glaubte, dass diese Dienste zu seiner Zeit nicht existierten, schloß er daraus, dass es auch keine echten Gemeinden im Sinne des Neuen Testamentes geben könne. Daraufhin nannte er die Gemeinden nicht mehr Gemeinden, sondern nur noch Versammlungen von Gläubigen. Darby zeigt ein bemerkenswertes Verständnis dieser Verse: Wenn es keine Apostel und Propheten mehr gibt, dann kann es auch keine echte neutestamentliche Gemeinde mehr geben. Das nenne ich Konsequenz – dieser Mann hat das Wort Gottes nicht oberflächlich gelesen, sondern ernst genommen. Wir müssen uns natürlich hüten, aus dieser Folgerung ein Gesetz zu machen, aber wenn diese beiden Ämter die Grundlage der Gemeinde darstellen, dann sollte uns das zu denken geben. Heutzutage sind eher die anderen Ämter als Grundlage der Gemeinde zu sehen: Es gibt Gemeinden, die entstanden durch einen Evangelisten, bei dem sich viele bekehrten, dieser gründet daraufhin eine Gemeinde und wird der Vorsteher der Gemeinde. In anderen Gemeinden gründen sich hauptsächlich auf einen „Pastor“, also einen Hirten und sind komplett von diesem abhängig. Die meisten Gemeinden aber stehen auf dem Fundament des Lehrdienstes. Man erkennt das schon daran, dass die Gemeindeglieder nach Lehre sortiert und zugelassen oder ausgeschlossen werden (nicht nach dem, ob sie in den Leib hineingetauft wurden oder nicht).

Ich gebe zu, dass ich in Deutschland keinen Propheten kenne, der auch nur halbwegs an einen echten biblischen Propheten erinnert. Die Propheten, die sich selber so nennen (das sind meistens Christen aus dem charismatischen Lager), disqualifizieren sich meistens durch ihre eigenen Prophezeiungen, da diese nicht eintreffen (oder nur dann eintreffen, wenn die betreffende Person mit ihrer eigenen Kraft nachhelfen muss…) oder durch ihren Lebensstil und Charakter. Ich kenne in Deutschland keinen Propheten (was aber nicht heißt, dass es hier solche nicht gibt!), die wie Jeremia oder Jesaja das Volk Gottes zur Umkehr aufrufen, die wie Elia die gottlose Regierung konfrontieren und den Christen und der Welt nicht nach dem Mund reden und sich dadurch unbeliebt machen. Echte Propheten werden von der Welt und von den meisten Christen gehasst werden, sie werden nicht beliebt sein, denn sie decken schonungslos die Heuchelei und die geheimen Motive der Herzen auf. Aber ich finde nur „Propheten“, die die Christen in ihrem gegenwärtigen Zustand bestätigen, die die Gemeinden und ihre Glieder mit Lob überschütten und andauernd irgendwelche Erweckungen oder andere Segnungen prophezeien, die nicht eintreffen und die zu allem Überfluss noch ihre Bücher verkaufen möchten. Man beachte nur einmal die Prophezeiungen, die über die Stadt Berlin ausgesprochen wurden, und die zu über 90% nicht eingetroffen sind. Es gibt dazu eine theologische Magisterarbeit (Heim, Detlef: Prophetische Reden und Evangelisation. Eine missiologische Untersuchung der über Berlin ausgesprochenen Prophetien (1980-2000). MTh 2003, online unter http://www.gbfe.org von Dr. Johannes Reimer betreut. Diese Magisterarbeit wurde nicht von konservativen Anticharismatikern geschrieben, sondern von einem Mitarbeiter einer sehr bekannten charismatischen Gemeinde in Berlin). Wir sehen am Beispiel des Propheten Johannes, dass er sich selber nicht für einen Propheten gehalten hat, dafür aber von Jesus ein Prophet genannt wurde. Das sollte uns zu denken geben, wenn immer wir Leuten begegnen, die uns auf die Nase binden wollen, dass sie Propheten sind. Dafür hat Johannes der Täufer hauptsächlich die Buße gepredigt, und den Leuten ihre Sünden vorgehalten, und die Leute haben entweder Buße getan, oder ihn gehasst, und schließlich endete Johannes im Gefängnis und wurde hingerichtet. Dieses Muster sehen wir bei so vielen Propheten in der Bibel, und es unterscheidet sich so stark von den heutigen Christen, die sich selber Propheten nennen, dass sich hier ein weiterer Kommentar erübrigt. Selbst Derek Prince sagt in einer Predigt (hab ich hier irgendwo aufm Rechner, wer die genaue Quelle will, bitte nachfragen), dass jeden Propheten anzweifelt, der die Christen in ihrem gegenwärtigen Zustand bestätigt und nicht zuerst über Buße und Umkehr zu Gott redet.

Was sind die Grundzüge des Apostelamts? Diese Frage hier in aller Kürze zu klären scheint mir auch unmöglich. Der Prototyp des Apostels ist der Apostel Paulus, wenn wir uns sein Leben anschauen, so finden wir einige bemerkenswerte Stationen: Seine Vorgeschichte als Pharisäer und Christenverfolger, seine radikale Bekehrung, inklusive der Heilung und Erfüllung des Heiligen Geistes durch Hananias, seine lange Abgeschiedenheit in der Wüste, wo er alleine ohne sich mit Fleisch und Blut zu beraten mit dem neuen Licht des Heiligen Geistes das Wort studierte, dann sein erstes Auftreten in Damaskus, wo er zum ersten Mal öffentlich Stellung für Christus bezieht, so daß die Juden ihn umbringen wollten und er zum ersten Mal mit dem Widerstand des Teufels konfrontiert wurde, und er nach Jerusalem fliehen muss. Diese ganzen Stationen waren notwendige Vorbereitung, aber noch war Paulus kein Apostel. Erst als er und Barnabas in Antiochia vom Heiligen Geist ausgesondert und berufen wurde, und die übrigen Ältesten ihnen die Hände auflegten und sie aussandten, erst ab diesem Moment war Paulus ein Apostel, ein „Gesandter“. Sein weiteres Leben ist durch aussergewöhnliche Kraftwirkungen und Taten gekennzeichnet, aber gleichzeitig auch durch aussergewöhhnliche Leiden. Zusätzlich muss Paulus die Ablehnung von anderen Menschen, ja selbst von geisterfüllten Christen erdulden, er gründet zwar viele Gemeinden, doch einige der Gemeinden wenden sich nachher von ihm ab, ebenso lesen wir, wie er später zu Timotheus schreibt, dass alle seine Mitarbeiter ihn verlassen haben. Je mehr sein Leben dem Ende zugeht, umso mehr muss er für Christus leiden. Dieses Leben ist uns als Beispiel gegeben, den Paulus sagt selber: Eifert mir nach! Aber wir sollten wissen, dass jeder, der für dieses Amt berufen wurde, aussergewöhnliche Anfechtungen und Leiden durchmachen wird.

Heutzutage wird mit dem Begriff Apostel sehr leichtsinnig umgegangen. Auf der einen Seite haben wir die konservativen Denominationen, die solche Verse ignorieren und fest behaupten, es gäbe das Apostelamt nicht mehr, das Amt wäre nur auf die 12 Jünger und auf Paulus beschränkt (wobei im NT über 20 Leute aufgezählt werden, die dieses Amt innehatten, in der Lutherübersetzung fällt das jedoch nicht auf, da oft das Wort „Gesandter“ benutzt wird, und fast nur im Hinblick auf die Zwölf einschließlich Paulus die Übersetzung Apostel – dabei wird im griechischen Text kein Unterschied gemacht). Es ist natürlich klar, dass die Zwölf eine Sonderrolle haben, die möchte denen ja auch niemand wegnehmen.

Dann gibt es da die gemäßigten Evangelikalen, die einsehen, dass es sehr wohl Apostel gibt und geben muss, die aber unter dem Wort Apostel nichts weiter als „Missionar“ verstehen (Im Bibelseminar Bonn wird diese Position z.T. vertreten). Natürlich ist „Missionar“ eine korrekte Übersetzung, jedoch ist dieser Begriff sehr irreführend und im heutigen Sprachgebrauch versteht man unter einem Missionar jemand der das Evangelium verkündet und neue Gemeinden gründet. Das haben die Apostel zwar auch getan, jedoch muss man dafür kein Apostel sein, um neue Gemeinden zu gründen. Ein Apostel im eigentlichen Sinne ist mehr als ein Gemeindegründer oder als jemand der das Evangelium verkündet.

Als drittes Lager gibt es dann noch die charismatischen Denominationen, die beim Apostelamt die Betonung hauptsächlich auf die Wunder und auf ein großes „Ministry“ legen. Zusätzlich haben wir in diesem Lager noch eine Apostel-Inflation, fast jeder, der ein etwas größeren und erfolgreicheren Dienst hat, oder der eine Mega-Church leitet, darf sich hier Apostel nennen. Dies ist in meinen Augen genauso schlimm wie die vorige Position, es ist sehr oberflächlich. Obwohl es natürlich stimmt, dass das Apostelamt von gewaltigen Kraftwirkungen begleitet ist, wird hier die andere Seite, nämlich das gewaltige Leiden, das Tragen des Kreuzes und die Verfolgung und Ablehung, die ein Apostel ebenso begleitet unter den Tisch gekehrt. Wenn Paulus in einer Stadt gepredigt hat, dann gab es immer zwei Reaktionen: Zum einen waren da Zeichen und Wunder und Bekehrungen und zum anderen war da Verfolgung, Gefängnis und sogar Steinigung. Wenn wir die Apostelgeschichte lesen, dann sehen wir die gewaltigen Manifestationen des Geistes durch den Apostel Paulus, aber dies ist die Sichtweise von Lukas. Wenn wir dagegen den zweiten Korintherbrief lesen, so erfahren wir, wie Paulus diese Zeit in Asien empfunden hat (siehe dazu unter anderem 2. Kor 1:8-11).

Weiter möchte ich auf die Frage, was den Apostel kennzeichnet nicht eingehen, dies ist kein Thema; was man auf einigen Seiten „abhandeln“ kann. Stattdessen möchte ich noch kurz auf die Frage eingehen, ob es heute noch Apostel gibt. In der Bibel gibt es keinen Vers und keine Andeutung, die auch nur irgendwie darauf hinweist, dass dieses Amt „zurückgezogen“ wird, oder in irgendeiner Weise „aufhören“ wird. Wir haben vorher gesehen, wie ungeheuer wichtig die Apostel und die Propheten für die Gemeinde sind, müsste dann nicht irgendein Hinweis darauf in der Bibel stehen, wenn der Gemeinde das Fundament entzogen wird? Aber in der Bibel gibt es einen klaren Hinweis, und zwar steht in Epheser 4 ganz genau beschrieben, wie lange es das Apostelamt und die anderen Ämter geben wird:

Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Manne, zu dem Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus. (Eph 4:11-13)

Hier finden wir fünf Ämter aufgezählt, und hier steht ganz genau wofür diese Ämter gegeben wurden:

a) Zur Vollendung der Heiligen
b) für das Werk des Dienstes
c) für die Auferbauung des Leibes Christi

Gott hat diese fünf Ämter für diese drei Ziele gegeben, und das zeigt uns, wie wichtig diese Ämter sind. Denn wenn Gott sagt, dass diese Dienste notwendig sind, um diese Ziele zu erreichen, dann bedeutet das, dass wir diese Ziele ohne die Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer niemals erreichen werden. Wir können uns noch so viele Methoden und Konzepte ausdenken (z.B. Willow Creek, Saddleback, Leben mit Vision, und was es nicht alles noch so gibt…), das wird nicht funktionieren. Gottes Methode sind Menschen: Menschen als Apostel, Menschen als Propheten, Menschen als Evangelisten, Menschen als Hirten und als Lehrer. Hier ist nicht von Gnadengaben die Rede, sondern von Ämtern. Denken wir nicht, weil wir in einer charismatischen Gemeinde aufgewachsen sind und mit den Gaben vertraut sind, werden wir diese Ziele erreichen. Nein, diese drei Ziele werden nicht durch Gnadengaben erreicht, sondern durch Menschen, die ihre Berufungen ergriffen und festgemacht haben. Wenn diese Ziele erreicht sind, dann sind diese Ämter nicht mehr notwendig, dann braucht keiner mehr einen Apostel oder einen Propheten. Welche Gemeinde möchte jetzt behaupten, dass ihre „Heiligen“ vollendet sind? Welcher Christ kann mit ruhigem Gewissen sagen, dass der Leib Christi heutzutage auferbaut ist und keiner weiteren Bauarbeiten mehr bedarf? Wer kann sagen, dass das Werk des Dienstes (gemeint ist unter anderem die Missionsarbeit), abgeschlossen ist? Und deshalb gibt der Apostel Paulus im nächsten Vers eine genaue Angabe des Zeitpunktes an, ab dem die Dienste hinfällig geworden sind:

…bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Manne, zu dem Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus. (Eph 4:11-13)

Wir lesen hier schwarz auf weiss, dass diese Dienste gegeben sind bis ein bestimmter Zeitpunkt gekommen ist: Er hat die einen gegeben als Apostel und andere … bis wir alle hingelangen. Diese Ämter wird es solange geben, bis alle Christen zur Einheit des Glaubens gelangt sind, bis alle in der Fülle des Geistes leben, bis alle erwachsen und reif geworden sind. Vielleicht bist du schon bei der Vollkommenheit angelangt, vielleicht auch deine Gemeinde, aber du wirst immer noch zugeben müssen, dass die anderen noch nicht so weit sind. Verstehen wir jetzt, wie widersinnig es ist, zu behaupten, es gäbe diese Dienste nicht mehr? Wir würden erstens unsere Ziele nicht erreichen und zweitens würde Gott sein Werk auf dieser Erde niemals vollenden können. Erst wenn die Gemeinde zur Braut geworden ist, erst dann werden diese Dienste überflüssig. Gott hat sich darauf beschränkt, seine ewigen Ziele und Absichten, die vor Grundlegung der Welt beschlossen wurden, durch Menschen zu verwirklichen, und diese Menschen sind die Apostel, die Propheten, die Evangelisten, usw. Wenn also jemand behauptet, es gäbe ein Amt heute nicht mehr, so steht das im krassen Widerspruch zu Gottes Wort. Solcherlei Lehren sind nicht von Gott, und wir müssen ihnen widerstehen. Sie gehören nicht zu dem von Paulus überlieferten Evangelium. Wir müssen aber auch den oberflächlichen Definitionen dieser Ämter durch viele moderne evangelikale und charismatische Christen widerstehen, denn dadurch berauben wir diesen Ämtern ihren wirklichen Wert, wenn ein Apostel zu einem „Gemeindegründer“ oder einem christlichen Wundertäter degradiert wird. Den falschen Aposteln müssen wir widerstehen, und dafür werden wir von Gott gelobt werden, so wie die Gemeinde zu Ephesus von Gott in den Sendschreiben dafür gelobt wurde, dass sie die falschen Aposteln entlarvt hat.

Viele Irrtümer in Bezug auf diese Dinge kommen daher, dass wir von unser Erfahrung her urteilen. Wir kennen keine Apostel, haben noch nie von welchen gehört (und wenn, dann haben sie sich als unecht erwiesen), deshalb folgern wir daraus, dass es das nicht gibt. Aber die Welt ist größer als unser Freundeskreis und unsere Erfahrung. Ich kenne auch keine Person, die ich mit Sicherheit als Apostel identifizieren könnte, aber das heißt noch lange nicht, dass sich Gottes Wort geändert hat, das heißt noch lange nicht, dass diese Verse aus Epheser 4 nicht wahr sind. Anstatt ständig mit unserer Erfahrung Rat zu halten, sollten wir lieber in aller Offenheit den Kontakt mit Gott suchen und ihn ernsthaft Fragen, was es mit diesen Dingen auf sich hat. Wir müssen dafür keine charismatischen Bücher lesen, alles was wir an Information brauchen steht bereits in der Bibel, und da wird nichts hinzugefügt. Es bedarf allerdings des Heiligen Geistes, damit wir diese geschriebenen Informationen verstehen und damit auch unser Herz demütig und offen wird, um für Diese geistlichen Wahrheiten empfänglich zu werden.

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Kommentar zum Korintherbrief (#15) – Viele Glieder, ein Leib

Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. Wenn der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum gehöre ich nicht zum Leib, so gehört er deswegen nicht weniger dazu! Und wenn das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, darum gehöre ich nicht zum Leib; so gehört es deswegen nicht weniger dazu! Wäre der ganze Leib Auge, wo bliebe das Gehör? Wäre er ganz Ohr, wo bliebe der Geruch? Nun aber hat Gott die Glieder, jedes einzelne von ihnen, so am Leibe gesetzt, wie er gewollt hat. Wenn aber alles ein Glied wäre, wo bliebe der Leib? Nun aber gibt es viele Glieder, doch nur einen Leib… (1. Kor. 12:14 – 25)

Hier fasst Paulus das eben gesagte nochmal zusammen. Wir halten folgende Punkte fest: Im Leib Christi gibt es keine Gleichheit, sondern Einheit. Einheit bedeutet, dass die einzelnen Glieder verschieden sind (und mit verschieden ist hier auch verschieden gemeint, nämlich verschieden in der Lehre, verschieden in den Ansichten, verschieden in den Gaben, verschieden im Charakter, usw.) und dadurch dass sie vom Geist eine Gnadengabe und damit auch eine Verantwortung bekommen haben werden sie zu einer Einheit, wenn sie dieser Verantwortung nachkommen.

Das bedeutet, wir brauchen uns gar keine Sorgen darum zu machen, was für Aufgaben wir den einzelnen Gliedern geben – dafür ist der Geist verantwortlich. Wer seine Gnadengabe entdeckt, der weiss auch, was er zu tun hat und welche Verantwortung er hat. Die Aufgabe der Ältesten ist nicht, die einzelnen Glieder zu beschäftigen und sie mit Aufgaben zu überhäufen, sondern sie dahin bringen, dass sie ihre Gnadengaben und ihre Berufung entdecken. Die Glieder dagegen, die sich nicht unter die Herrschaft des Geistes stellen wollen, die werden auch niemals ihre Funktion im Leib entdecken, geschweige denn ihre Gnadengabe. Allerdings sollten die einzelnen Glieder zuerst ein Leib-Bewusstsein haben. Ihnen sollte klar sein, dass ihre Versammlung nur eine Repräsentation des einen Leibes ist, und dass die anderen Christen in ihrer Stadt ebenfalls zu diesem einen Leib gehören, und das deren Zusammenkünfte ebenfalls eine Realisierung des einen Leibes Christi darstellen.

Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit. (1. Kor. 12:26)

Wenn wir uns die Hand brechen, kommt dann nur unsere Hand ins Krankenhaus? Nein, wir kommen ins Krankenhaus, unser gesamter Körper liegt im Krankenhaus. Wenn uns dann jemand fragt, ob wir krank sind, dann antworten wir doch nicht: “Nein, ich ich bin gesund, nur meine Hand ist krank!”. Wenn unsere Hand krank ist, dann wird jedermann sagen: Wir sind krank. Das ist Leib-Bewusstsein. Komischerweise verhalten wir uns beim Leib Christi aber total anders. Wir sagen oft: “Wir sind gesund, aber das eine bestimmte Glied, diese eine bestimmte Person, die nicht mit uns übereinstimmt, die ist krank”. Das ist totaler Blödsinn. Wenn im Leib Christi ein Glied krank ist, dann ist der ganze Leib krank. So einfach ist das, udn das drückt Paulus hier auch aus, diese Einheit, dieses Leib-Bewusstsein ist sehr wichtig. Viele Glieder – ein Leib.

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Kommentar zum Korintherbrief (#14) – Was ist eine Ortsgemeinde?

Denn gleichwie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, wiewohl ihrer viele sind, doch nur einen Leib bilden, also auch Christus. (1. Kor 12:12)

Ein Leib, viele Glieder – dies ist ein wichtiges Prinzip im Reich Gottes: Einheit ist nicht Gleichheit. Wir wissen von Paulus, dass die Ehe ein Bild für die Gemeinde ist. Mann und Frau werden niemals gleich sein, der Mann wird immer ein Mann bleiben und die Frau wird immer ein weibliches Wesen bleiben, aber trotzdem werden die zwei unterschiedlichen Wesen eins sein (Eph 5:31-32). Es wäre fatal, wenn der Mann versucht, seine Frau zu einem Mann umzugestalten – ebenso umgekehrt. Gott schafft aus zwei verschiedenen Menschen eine neue Kreatur. Das ist das Prinzip, das hinter der Gemeinde steckt. Es ist daher sehr unvernünftig, wenn man eine Gemeinde haben möchte, wo alle Mitglieder “gleich” sind. Wir können nicht erwarten, dass die Glieder der Ortsgemeinde ähnlich oder genauso begabt sind wir wir, wir können davon ausgehen, dass unsere Geschwister in der Gemeinde von uns so verschieden sind, wie ein Auge von der Hand verschieden ist. Wenn wir hoffen oder davon ausgehen, dass die Geschwister in unserer Gemeinde oder Versammlung auch nur halbwegs so denken oder geprägt sind wie wir, dann haben wir den Gemeindegedanken nicht verstanden, dann haben wir Einheit mit Gleichheit verwechselt.

Dies hört sich auf dem Papier vielleicht einfach an, hat aber schwerwiegende Auswirkungen in der Realität. Wenn wir davon ausgehen, dass die anderen Brüder alle verschieden sind, dann hat das zur Folge, dass wir nicht immer gleich denken und es werden früher oder später Meinungsverschiedenheiten auftreten.

Wir sind durch einen Geist in einen Leib getauft worden, ob Juden oder Griechen, Knechte oder Freie, alle sind mit einem Geist getränkt worden. (1. Kor 12:13)

Dieser Vers ist entscheidend für das richtige Gemeindeverständnis – Wir haben eben festgestellt, dass zwischen den einzelnen Gemeindegliedern ein großer Unterschied herrscht, aber es muss doch irgendeine Gemeinsamkeit, irgendeinen gemeinsamen Grund geben, das haben wir von vorneherein geahnt, und hier legt Gott durch Paulus diesen Grund: Wer in den einen Leib getauft ist, der gehört dazu. Das ist das einzige Kriterium. Wir haben bezüglich der Gemeindezugehörigkeit im Laufe der Jahrhunderte viele verschiedene Kriterien entwickelt: Man muss bestimmte Lehren glauben, man muss bestimmte Ordnungen befolgen, man muss bestimmte Lehren bejahen, man muss bestimmte Dinge nicht tun, man muss in einigen Gemeinden bestimmte Gaben haben und in anderen Gemeinden muss man bestimmte Gaben nicht haben um als vollwertiges Gemeindemitglied zu gelten. Aber bei Gott gibt es nur dieses eine Kriterium: ist die Person in den einen Leib getauft worden oder ist sie es nicht? Beachten wir die Vergangenheitsform: Es handelt sich um ein bestimmtes Ereignis, dass bereits geschehen ist. Es handelt sich um die Taufe, aber ich möchte hinzufügen: Um das neutestamentliche Verständnis von Taufe, als Taufe und Bekehrung noch nicht voneinander getrennt waren. Wer sich bekehrte, der tat Buße von seinen Sünden und ließ sich taufen – so lief das damals. Wir finden in den biblischen Berichten keine langen Wartezeiten zwischen der Wiedergeburt und der Taufe. Es gibt zwischen Tod und Beerdigung auch keine langen Wartezeiten, weil die Leichen sonst anfangen zu verschimmeln und zu stinken. Wer sich zu Gott bekehrt und sich aber nicht taufen lassen will, der hat zu Gott nicht “Ja” gesagt, sondern nur “Jein” und es mag sein, dass er mit diesem “Jein” nicht lange auf Gottes Seite bleibt, sondern von der Welt wieder eingefangen wird. Wir wissen aus Römer 6 um die geistliche Bedeutung der Taufe, wir sterben für die Welt, wir bezeugen dass unser alter sündiger Mensch mit Christus am Kreuz mitgestorben ist und dass wir ab jetzt für die Welt und für die Sünde tot sind. Alles was Flesich war, geht in das Wasser hinein und unter das Wasser und verreckt dort. Alles was aus dem Wasser dann herauskommt, ist die Auferstehung, eine neue Kreatur kommt aus dem (Wasser-)Grab, die in Gottes Reich versetzt ist. Jeder der diesen Schritt der Taufe (zusammen mit der Bekehrung) vollzogen hat, ist zugleich in den Leib hineingetauft – ab dem Moment, wo jemand aus dem Wasser des Todes hervorkommt, ist er nicht mehr in der Welt, sondern im Leib – ganz unabhängig davon ob er das möchte und unabhängig davon, ob sein Verstand das weiß. Es ist eine geistliche Tatsache, die die unsichtbare Welt akzeptieren muss.

Diese Person, die jetzt im Leib ist, braucht sich nicht eine Gemeinde zu suchen, sie ist bereits in der Gemeinde Christi, denn es gibt geistlich gesehen nur eine. Es gibt auf der Welt an vielen Orten viele Versammlungen und Gemeinschaften von Gläubigen, die diese eine Gemeinde mehr oder weniger repräsentieren1.

Verstehen wir diesen Leibgedanken? Hier ist wirkliche geistliche Einheit. Wer getauft worden ist, der gehört dazu – sonst nichts. Keine Zusätze, nichts kleingedrucktes, keine ungeschriebenen Verhaltensregeln, die zusätzlich zu befolgen sind. Die Frage der Gemeindezugehörigkeit ist bei Gott nichts kompliziertes, es ist eine einfache Frage: Bist du von Gott angenommen? Hast du deinen alten Menschen, dein altes Leben in den Tod gegeben?

Vielleicht denken einige, dieses Kriterium bezieht sich auf den universalen Leib Christi, aber für die Ortsgemeinden gelten doch andere Regeln. Mir ist dieses Denken schon oft begegnet, dieser Gedanke, dass für den universalen Leib Christi andere Regeln gelten als für die Ortsgemeinde wird zur eigenen Gewissenserleichterung gebraucht. Was aber sind die Ortsgemeinden? Sie sind nichts anderes als eine lokale Repräsentation dieses einen Leibes Christi. Genauso wie es nur einen Christus gibt, gibt es auch nur einen Leib, das Macht Paulus hier unmißverständlich klar. Die Ortsgemeinden sind nicht viele verschiedene kleine Leibe Christi, so ein Gedanken ist total unbiblisch, die Ortsgemeinden sind lokale Sichtbarwerdungen dieses einen Leibes. Eine Ortsgemeinde repräsentiert den einen Leib, in den wir hineingetauft wurden. Die Ortsgemeinde ist eine Manifestation des universalen Leib Christi.

Wenn jetzt aber so eine Ortsgemeinde ihre eigenen Regeln aufstellt, wer dazu gehört und wer nicht, dann repräsentiert sie nicht mehr den einen Leib, dann repräsentiert sie ihre eigenen Interessen und Ideen. Wenn eine Ortsgemeinde eine Person, die von Christus angenommen ist, nicht annimmt, dann ist das keine Sichtbarwerdung des einen Leib Christi, diese sogenannte Ortsgemeinde ist dann ein Verein von Leuten, die ihre eigenen Interessen vertreten. Erkennen wir jetzt, wie radikal diese Sicht ist? Es gibt ein wahres Sprichwort, das lautet: “Freunde kann man sich aussuchen, Geschwister aber nicht.” Dies trifft auch auf den Leib Christi und die Ortsgemeinde zu. Wir können uns nicht aussuchen, wer in den Leib hineingetauft wurde, wir können uns nicht aussuchen, wer von Christus angenommen wurde. Wenn Christus mit seinem Blut die Sünden einer Person reingewaschen hat und stellvertretend für sie gestorben ist, welches Recht haben wir dann zu sagen, diese Person darf nicht in unsere Gemeinde? Welches Recht haben wir da, dieser Person noch weitere Bedingungen (Kleiderordnungen, Zustimmen zu bestimmten Lehren, usw) aufzuerlegen? Wenn wir Zusatzbedingungen stellen, dann sind wir auf dem Weg zu einer Sekte, denn wir repräsentieren nicht mehr den Leib Christi, sondern unsere eigenen Interessen.

In der Praxis ist dies natürlich nicht so einfach, denn das heisst ja nichts anderes, als dass Personen in die Gemeinde kommen, die total andere Meinungen in Bezug auf Lehre, Lebensstil, usw. In anderen Worten: es werden Leute in die Gemeinde kommen, mit denen uns nicht das Geringste verbindet. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass Christen kommen, die zwar in den Leib hineingetauft sind, aber allerhand komische Lehren mit sich bringen. Jedoch müssen wir beachten, dass Paulus hier in Korinther eine Einheit des Geistes darlegt und nicht eine Einheit der Lehre2. Das erste wonach wir fragen müssen, ist ob die Person in den einen Leib hineingetauft wurde, alles andere muss sich in der Frage der Gemeindezugehörigkeit hintenanstellen. Unsere Gemeinden sind oft Zusammenschlüsse von Gleichgesinnten, von Menschen gleicher Herkunft, gleicher Hautfarbe, gleicher Mentalität, gleicher Lehre und Erkenntnis, usw. In Gottes Augen sind Versammlungen aufgrund solcher Fundamente keine wirklichen Ortsgemeinden, es sind höchstens Interessengemeinschaften, es sind Vereine. In einem Verein treffen sich Leute, die die gleichen Interessen und Hobbies haben, um diesen Gemeinsam nachzugehen, in einer Ortsgemeinde treffen sich Menschen, die in den Leib hineingetauft wurden.

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