Robert Greene on Discipline & Suffering

“Without suffering and doubts, the mind will come to rest on cliches and stay there, until the spirit dies as well

Developing discipline through challenging situations and perhaps suffering along the way are no longer values that are promoted in our culture”

–Robert Greene, Mastery

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Gekreuzigte Exzellenz

Dr. Howard B. Malmstadt war mit 55 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen: Er war der Pioneer der modernen elektronisch gesteuerten computerisierten Chemie, er hatte 10 Lehrbücher geschrieben, die international benutzt wurden, hat über 150 wissenschaftliche Paper in Fachzeitschriften veröffentlicht und ein Patent für einen Apparat entwickelt, der unter seinem Namen hergestellt wurde. Auf Wikipedia steht weiter über ihn geschrieben:

„Malmstadt ist auch dafür bekannt, dass seine Studenten hocherfolgreiche Karrieren in der akademischen Forschung hatten“.

Er war wirklich am Gipfel angekommen, was sich auch darin zeigte, dass die Universitäten sich gegenseitig überboten, um Malmstadt als Professor zu bekommen. Er hätte jedes Gehalt und – für Forscher noch wichtiger – jedes Budget für seine Forschung bekommen können. 

Und dann beerdigte Dr. Malmstadt seine Reputation und seine wissenschaftliche Karriere, genauer gesagt, er kreuzigte sie. Er nahm keins der Jobangebote an, stattdessen gründete er zusammen mit Loren Cunningham im Jahr 1978 auf Hawaii die „Pacific and Asia Christian University“, der er vorstand und die später zur „University of the Nations“ umbenannt wurde. Seine Kollegen und die wissenschaftliche Gemeinschaft waren der Ansicht, dass er mit einem Haufen Hippies auf Hawaii durchgedreht ist.

Jahre später zeigt sich die Frucht: Unzählige Menschen haben durch Malmstadts Methoden und Unterricht profitiert. War er vorher schon für seine hervorragende Didaktik und dafür bekannt, dass seine Studenten sehr erfolgreich waren, hatte er durch die „Kreuzigung“ seiner Wissenschaftskarriere dies auf ein viel weiteres Feld ausgeweitet und weitaus mehr Menschen beeinflusst, als es in seinem Wissenschaftsfeld möglich gewesen wäre (Details dazu in Malmstadts Biografie). Malmstadt hat seine Exzellenz nicht für sich selbst benutzt, sondern sie für andere ausgeschüttet. Malmstadt ist übrigens nicht das einzige Beispiel dafür, es gibt noch einige andere berühmte Personen, deren Biografien ähnlich verliefen.

Es gibt viele gute Konzepte, Bücher und Biografien, die schön aufzeigen, wie man es zur Exzellenz schaffen kann und ein sinnvolles, erfolgreiches Leben leben kann. An vielen Schulen, Universitäten – auch an christlichen Instituten – ist Exzellenz fast schon ein selbstevidentes Ziel, was für sich selbst steht und keiner Begründung mehr bedarf. Wer will nicht exzellent oder erfolgreich sein? Was spricht denn dagegen? Nichts. 

Exzellenz steht aber nicht „nur für sich alleine“, sie dient immer einem Zweck. Es gibt unzählige Motive, aus denen man Exzellenz anstreben kann, am Ende kann man jedoch alle verschiedene Beweggründe in zwei Arten einteilen:

Will ich Exzellenz für mich selbst (um berühmt, reich, erfolgreich, gut angesehen zu sein) oder will ich die Exzellenz für andere (damit andere berühmt, erfolgreich, gut angesehen sind)? Etwas so gutes wie Exzellenz kann schnell der perfekte Ersatzgötze werden, dem alles andere untergeordnet wird. Es ist viel einfacher und auch angesehener, für Exzellenz zu leben, als einfach nur für „Wohlstand“ oder „Spaßmaximierung“.

Das ist aber nicht unser Maßstab, als Christen müssen wir uns die Frage stellen: Machen wir das nur für uns selbst? Unternehmen wir all die Anstrengung, all die Disziplin, die Übung, die Überstunden, die harte Arbeit für uns selbst? Oder geben wir all das für andere und damit auch für Gott: „Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, dass habt ihr mir getan.“ Vermehren wir letztendlich nur uns selbst, unser Ansehen, unser Andenken oder vermehren wir andere Menschen? Lässt unser Stolz das zu, dass unsere Schüler, Angestellten, Auszubildende am Ende erfolgreicher sind als wir? Lebe ich für mich selbst oder verleugne ich mich selbst? „Wer sein Leben verliert, der wird es finden“, sagt Jesus. Malmstadt hat seine wissenschaftliche Exzellenz „verloren“ und er hat sein Leben gefunden:

Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach! Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.“ (Matthäus 16:24-25)

Gekreuzigte Exzellenz ist die einzige Art von Exzellenz, die nicht als Selbstzweck existiert, es ist eine Exzellenz, die komplett darauf ausgerichtet ist, andere zu segnen und das Reich Gottes voranzubringen. Exzellenz ist nicht mein Ziel um mich mit anderen im Wettbewerb zu messen, oder um meinen perfektionistischen Ansprüchen zu genügen und mein Selbstwertgefühl dadurch aufzubauen. Gekreuzigte Exzellenz ist auch kein Perfektionismus, denn ich weiß, dass ich als gefallener Mensch Fehler machen werde, entscheidender ist, wie ich mit den Fehlern umgehe. Ich möchte exzellent sein, weil

  • ich weiß, dass Gott in meiner Schwachheit und durch meine Schwachheit mächtig ist
  • ich glaube, dass ich durch Christus alles kann (gerade auch das, was ich mir nicht zutraue!) und ich weiß, dass meine Exzellenz nur auf Gottes Gnade gegründet ist
  • ich weiß, dass ich in einer gefallenen Schöpfung lebe, di eauf exzellente Ideen und Hilfen angewiesen ist
  • ich alles zur Ehre Gottes tue und in erster Linie für ihn lebe/arbeite und nicht für mich selbst
  • Exzellenz durch Gnade ein Zeugnis von Gottes Wirken und Gottes Weisheit auf dieser Welt ist

Das ist gekreuzigte Exzellenz: eine Exzellenz, die in den Boden fällt, stirbt und sich vielfach in anderen vermehrt:

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12:24)

„Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird“ (Lukas 22:19)
„Dies ist mein Blut, …welches für viele vergossen wird“ (Markus 14:24)

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Meine Seele gehört mir!

Im Lukasevangelium finden wir am Ende einer Endzeit-/Katastrophenrede von Jesus folgende Quintessenz:

Gewinnt eure Seelen! –Lukas 21:19

In einer Zeit, wo wir unter Belastung stehen, wo wir über das normale Maß gestresst werden und wo es wirklich drauf ankommt, da ist es wichtig, dass unsere Seelen uns gehören. Moment, ist das nicht automatisch der Fall? Leider nicht – Wodurch wird deine Seele, dein inneres Leben, beeinflusst? Hast du die Kontrolle über deine Gedanken, deine Begierden, deine Vorstellungskraft, deinen Willen? Oder denkst du die Gedanken anderer, jagst du Wünschen von anderen nach, bist du von den Begierden, die die Werbung oder deine Peergroup in dich gepflanzt hat, beeinflusst?

Es wird Zeit, dass wir die Kontrolle über unsere Seelen zurückgewinnen in einer Zeit wie dieser. Damit wir wieder denken können, was wir wollen, damit wir nicht durch Furcht, Sorge oder andere Dinge abgelenkt werden und wieder in der Lage sind, uns auf das Wesentliche oder auf das Nahliegende, von dem wir wissen, dass wir es dringend tun sollten, konzentrieren können.

Gott ist mit euch und seine Gnade hilft euch dabei!

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Lesetipp: The Intelligence Trap – David Robson

Von allen aktuellen Büchern ist dies mein momentanes Lieblingsbuch: The Intelligence Trap: Why Smart People Make Dumb Mistakes von David Robson.

Wusstet ihr, dass Sir Isaac Newton gegen Ende seines Lebens sein ganze Geld in einem groß angelegten, dubiosen Schneeballsystem verloren hat? Angeblich hat ihn diese Tragödie zu folgendem Zitat inspiriert:

I can calculate the motion of the heavenly bodies, but not the madness of people” –Isaac Newton

Übersetzt heißt das ungefähr “Ich bin in der Lage, die Bewegungen der Himmelskörper zu berechnen, aber nicht die Dummheit der Menschen”. Und hier musste Newton sich schon selber mit einschließen, denn seine Geldaktion war ziemlich dumm. Sie war sogar so dumm, dass er zuerst sein Geld zurückholte, dann aber alles Geld erneut in das Schneeballsystem investierte und es komplett verlor.

Wir wissen alle, das Newton nicht der dümmste Mensch auf diesem Planeten war, im Gegenteil, er war einer der brillantesten Köpfe, die je auf diesem Planeten existierte. Aber warum hat ihn seine Brillianz nicht vor so dummen Fehlern bewahrt? Dieser Frage geht der Autor dieses Buches auf die Spur. Und Newton ist nicht das einzige prominente Superhirn, was weitreichende dumme Fehler begangen hat, da gibt es noch eine Menge anderer – viel mehr als man gemeinhin denkt.

Dafür zieht David Robson eine Menge hochinteressanter Studien heran, verfolgt die gesamte Geschichte der Entwicklung des Intelligenzquotienten und kommt dann zu Ergebnissen, die schon seit tausenden von Jahren in einem alttestamentlichen Buch namens “Sprüche” zu finden sind. Der Autor hat wohlgemerkt keinen religiösen Hintergrund. Dieses Buch lehrt einen intellektuelle Demut und das ist etwas sehr nützliches. Denn viel Intelligenz bewahrt eben nicht vor dummen Fehlern, im Gegenteil: Je mehr PS ein Auto hat, desto heftiger kann man damit auch gegen die Wand fahren.

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Lesetipp: Tim Keller – Center Church

Das Buch Center Church von Tim Keller zu empfehlen heißt eigentlich Eulen nach Athen zu tragen, aber ich bin mir sicher, dass es einige noch nicht kennen oder zumindest noch nicht gelesen haben und das Buch ist zu gut und zu nützlich. Meiner Meinung nach ist dieses Buch Pflichtlektüre für jeden Pastor, Gemeindeleiter oder Verantwortungsträger. Ich empfehle dieses Buch auch konfessionsübergreifend, es bildet das gesamte denominelle Spektrum ab.

Das Buch ist in drei Teile geteilt, der erste Teil dreht sich um das Evangelium: Was ist das Evangelium, was ist es nicht, was ist Erweckung und wie wird das in der Kirche/Gemeinde sichtbar. Im zweiten Teil geht es dann um die Kontextualisierung, wie bringt man das Evangelium als Kirche in das aktuelle Zeitalter, ohne den Kern zu verwässern.

“Contextualization means causing the right scandal – the one the gospel poses to all sinners – and removing all unnecessary ones” –Tim Keller

Übersetzt: “Kontextualisierung bedeutet den richtigen Skandal zu verursachen – den das Evangelium allen Sündern präsentiert – und all die unnötigen Skandale aus dem Weg zu räumen. Genau darum geht es in diesem Buch und wie man eine Gemeinde strategisch darauf ausrichtet und sie im Zentrum des Evangeliums hält, denn wenn man vom Kern des Evangeliums abweicht, verliert dieses auch seine eigentliche Kraft, weil es dann nicht mehr das echte Evangelium ist.

Das Buch ist ein dicker Schinken und die momentane krisenbedingte Quarantäne verschafft dem ein oder anderen sicher genug Zeit, um dieses Buch durchzulesen. Mein Tipp: Es reicht sogar, nur das erste Drittel zu lesen, da wird man als Leiter schon so viel dazugelernt haben, dass du es nicht bereuen wirst, das Buch gekauft zu haben.

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Lernen während Coronaferien (Auch für Eltern!)

Ich habe eine Übersicht zusammengestellt für alle Schüler, die während der coronabedingten Schulschließung jetzt alleine lernen müssen. Ich habe dabei auch Eltern im Blick gehabt, die nicht genau wissen, wie sie ihre Kinder die ganze Zeit lang sinnvoll beschäftigen können. Unter

+ Lernen während Corona

findet ihr den Artikel. Das meiste ist für ältere Schüler, aber ganz am Ende habe ich auch einen Absatz für kleinere Kinder verfasst.

Lernen während Corona

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Buchrezension: “Der Beweis des Jahrhunderts”

Der Beweis des Jahrhunderts: Die faszinierende Geschichte des Mathematikers Grigori Perelman – Masha Gessen

Was bewegt einen der größten Mathematiker der Welt, sich zurückzuziehen, Menschen zu meiden, die allerhöchsten Preise und Ehrungen zu ignorieren? Hat der einfach nur ein Rad ab oder steckt da mehr dahinter? Die Autorin entpackt sehr schön, was alles hinter so einer komplexen Person wie Perelman steckt und gleichzeitig zeigt sie auch die Wechselwirkungen solcher Menschen mit dem kommunistischen System auf.

Zuerst bekommt man einen sehr guten Einblick in das sowjetische kommunistische System, vor allem in das Schulsystem. Es ist faszinierend zu lesen, was so ein repressives System bewegt und wie Menschen sich innerhalb so eines Systems bewegen und ihre Freiräume suchen.

Zweitens lernt man die exzentrischen (autistischen?) Mathematiker als Menschen kennen. Das ist sehr unterhaltsam, oft komisch, aber auch sehr interessant. Mir war gar nicht bewusst, dass Mathematiker vom kommunistischen Sowjetsystem sehr argwöhnisch und kritisch beobachtet wurden, ja einige wurden sogar der Mathematik wegen verfolgt und diskriminiert. Auch die antisemitische Seite dieses Systems wird sehr gut aufgezeigt. Die Mathematiker werden diskriminiert, weil sie Werte wie Wahrheit, Logik und Kohärenz an erste Stelle setzen – und diese sind ihnen wichtiger als jedes ideologisches System. Und jedes ideologische repressive System hat seine Probleme mit Menschen, die Wahrheit und Aufrichtigkeit als wichtigste Werte haben. Mathematik wird den Kommunisten zu einem Stachel im Fleisch, da sie ewige Werte repräsentiert und auf etwas hinweist, was jedes totalitäre System übersteigt!

Mathematik wird hier für atheistische Menschen zu einem transzendenten Fingerzeig, der ihnen eine Welt der Freiheit, der Wahrheit und der Schönheit aufzeigt, in die sie fliehen können und die ihnen hilft, den grausamen Alltag in einem kafkaesken irrationalem Regime zu ertragen. Ob die Mathematiker das bewusst wahrgenommen haben oder nicht (einige waren sehr religiös!), aber das, was sie letzen Endes an der Mathematik fasziniert hat, waren die Attribute und Eigenschaften des Wesen Gottes, die sie auf dem Wege der Mathematik und des Nachdenkens entdeckt haben – inmitten eines atheistischen totalitären Regimes.

„Die Wahrheit ist das Einzige, das unserer Anbetung würdig ist.“

Dies ist die Inschrift auf dem Grabstein des Mathematikers Danilowitsch, der einer der wichtigsten Mentoren für Perelman war.

Amazon-Link: Der Beweis des Jahrhunderts: Die faszinierende Geschichte des Mathematikers Grigori Perelman – Masha Gessen

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Buchempfehlungen – AKTUALISIERT!

Seit einiger Zeit habe ich eine neue Seite mit BUCHEMPFEHLUNGEN auf diesem Blog. Ich werde sehr häufig nach Büchern zu bestimmten Themen gefragt, in Zukunft werde ich auf Bücher in dieser Liste verweisen oder die Bücher in diese Liste aufnehmen. Diese Seite wird ständig aktualisiert, zur Zeit habe ich Buchempfehlungen zu 6 Oberthemen:

1) Allgemeinbildung
2) Berufswahl
3) Geistliches Leben
4) Startups
5) Geld
6) Belletristik

Zu jedem Buch gibt es ein Amazon-Link, wenn ihr über den Link das Buch kauft, bekomme ich einen kleinen Beitrag von Amazon gutgeschrieben. Ihr könnt mir so einen Gefallen tun, ohne dass ihr dafür extra bezahlen müsst.

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Occupy! (Das Ende einer Epoche 3)

Viele Christen, gerade wenn sie aus dem eher konservativen Spektrum kommen, sehen die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und ihre Reaktion darauf ist: Das Ende ist nahe! Dies sind die “letzten Tage”, wahrscheinlich wird Jesus bald wiederkommen, die Welt ist sowieso nicht mehr zu retten, wir müssen nur noch etwas aushalten. Und dazu gibt es ja auch die passenden Bibelverse, allerdings: Diese Verse wurden schon von Generationen vor uns bemüht. 1806 waren sich große Teile der Christen sicher, dass Napoleon der Antichrist sei und dass das Ende nahe stünde. Doch die Periode der “letzten Tage” wurden bereits in Apostelgeschichte 2:17 ausgerufen und aus dem Kontext wird eigentlich deutlich, dass es ein Zeitraum ist, der durchaus länger andauern kann.

Eine falsche Logik

“Doch wenn der Sohn des Menschen kommt, wird er auch den Glauben finden auf Erden?” – Lukas 18:8

Jesus stellt seinen Jüngern diese Frage am Ende der Geschichte von dem ungerechten Richter und der Witwe. Die Witwe ist in diesem Gleichnis in einer aussichtslosen Lage, ist Witwe in einer patriarchalischen Kultur, komplett benachteiligt, hat nicht wirklich den längeren Hebel. Der Richter ist das Gegenteil: Mächtig, männlich (in der damaligen Kultur entscheidend), sitzt am längeren Hebel und hält eine offizielle Position. Die Witwe kann eigentlich nichts tun, außer den Richter immer wieder zu belästigen – und sie tut das und bekommt ihren Willen. Danach zieht Jesus den Vergleich und spricht uns zu, dass Gott im Gegensatz zum Richter gerecht ist und uns viel schneller Recht verschaffen wird. Und dann kommt – wie aus dem Nichts – dieser “Endzeitvers” aus dem Munde Jesu. Verstehen wir jetzt den Kontext?

Gott legt das Ende fest, nicht wir

Als Kinder des allmächtigen Richters sind wir niemals in einer aussichtslosen Lage und es ist umso peinlicher für uns, wenn die Witwe, die eigentlich nichts machen kann, trotzdem etwas macht und wir uns trotz unserer uns von Gott erliehenen Vollmacht (Johannes 1:12) ungläubig und resignierend zurückziehen. Das ist Unglaube, denn wir glauben tief in unserem Herzen nicht, dass Gott auch in der letzten Stunde noch was bewirken kann. Dabei ist Gottes Heils- und Wirkungsgeschichte voll von Gottes Handeln in der letzten Sekunde, denken wir nur an den Dieb am Kreuz!

Zwei ungewöhnliche Beispiele von Gottes Wirken

Um meine These zu untermauern möchte ich zwei Beispiele hier schildern, wo Gott in Bereiche eingegriffen hat, die vielen Menschen als “zu gottlos”, zu unmöglich erscheinen würden. Der eine Bereich ist die universitäre Philosophie, der andere Bereich ist eine bestimmte Musikszene. Beginnen wir mit der Philosophie.

Eine christliche Renaissance in der Philosphie

Die Philosophie ist ein Gebiet, was von vielen Christen gemieden wird. Warnt doch Paulus im Kolosserbrief explizit davor, dass wir uns nicht von der “Philosophie und dem leeren Trug” einfangen lassen* (Kolosser 2:8). In den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts war der naturwissenschaftliche Naturalismus die vorherrschende Denkart, die Naturwissenschaften waren der Wahrheitsmaßstab an dem alles gemessen wurde. William Lane Craig schreibt über diese Zeit folgendes:

“Die Metaphysik – jener traditionelle Zweig der Philosophie, der sich mit Fragen über die Realität beschäftigt, die über die Wissenschaft hinausgeht – galt als überwunden, aus der Philosophie vertrieben wie ein unreiner Aussätziger. „Die Wissenschaftstheorie“, so Benacerraf, „war die Königin aller Philosophiezweige“, da „sie die Werkzeuge dazu besaß, alle Probleme anzusprechen“. Jedes Problem, das nicht wissenschaftlich angegangen werden konnte, wurde einfach als Scheinproblem abgetan. Wenn es auf eine Frage keine wissenschaftliche Antwort gab, dann galt sie nicht als wirkliche Frage – sondern nur als Scheinfrage, die sich als wirkliche Frage ausgab. Ja, ein ganzer Teil der Aufgabe der Philosophie bestand darin, die Disziplin von dem Durcheinander zu reinigen, das frühere Generationen durch ihr endloses Ringen mit solchen Scheinfragen angerichtet hatten. So herrschte ein gewisser selbstbewusster Kreuzzugs-Eifer, mit dem Philosophen ihre Aufgabe ausführten. Die Reformer, so Benacerraf, „trompeteten die militante Bekräftigung des neuen Glaubens heraus …, nach dem die Verwirrungen unserer vorsichtig umhertastenden Vorgänger durch die neu auftauchende Wissenschaft der Philosophie ersetzt werden sollte. Diese neue Aufklärung sollte die alten metaphysischen Ansichten und Haltungen zum Abdanken zwingen und sie ersetzen durch eine neue Art, Philosophie zu betreiben.“ Das Buch Language, Truth and Logic (dt. Sprache, Wahrheit und Logik, A.d.Ü.) des britischen Philosophen A. J. Ayer diente als Art Manifest dieser neuen Bewegung. […] Die Hauptwaffe, die Ayer in seinem Feldzug gegen die Metaphysik anwandte, war das gerühmte Verifikationsprinzip der Bedeutung. Nach diesem Prinzip, das zahlreiche Revisionen durchlief, muss ein Satz, um Bedeutung zu haben, im Prinzip dazu geeignet sein, empirisch verifiziert werden zu können. Da metaphysische Aussagen außerhalb der Reichweite empirischer Wissenschaften lagen, konnten sie nicht verifiziert werden und wurden deshalb als eine sinnlose Kombination von Worten abgetan. Nun mag jemand sagen, dass wir Beweise für Gottes Existenz liefern können. Aber Ayer will davon nichts hören. Wenn man mit dem Wort „Gott“ ein transzendentales Wesen bezeichnet, so Ayer, dann ist das Wort „Gott“ ein metaphysischer Term, und damit „kann es nicht einmal wahrscheinlich sein, dass ein Gott existiert“. Er erklärt „zu sagen, dass ‚Gott existiert‘ heißt, eine metaphysische Äußerung zu tun, die weder wahr noch falsch sein kann. Und nach demselben Kriterium kann kein Satz, der behauptet, die Natur eines transzendenten Gottes zu beschreiben, irgendeine tatsächliche Bedeutung haben“. Nehmen wir an, ein Christ behauptet: „Aber ich kenne Gott durch eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Sie können meine persönliche Erfahrung nicht leugnen!“ – so wäre Ayer nicht beeindruckt. Er würde nicht mehr leugnen, dass jemand eine solche Erfahrung hat, so sagt er, als dass er leugnen würde, jemand habe die Erfahrung macht, – sagen wir – ein gelbes Objekt gesehen zu haben. Doch, so sagt er, „während der Satz ‚Es existiert hier ein Ding aus gelbfarbigem Material‘ eine echte Aussage darstellt, die empirisch verifiziert werden könnte, habe der Satz ‚es existiert ein transzendenter Gott‘ keine tatsächliche Bedeutung“, da er nicht verifizierbar sei. Somit sei die Berufung auf das religiöse Erlebnis, so Ayer, „ganz und gar ein Trugschluss“. […] Und es handelte sich nicht nur um metaphysische Aussagen, die für sinnlos erachtet wurden. Ethische Aussagen – Aussagen über richtig und falsch, gut und böse – wurden ebenfalls für sinnlos erklärt. Warum? Weil sie nicht empirisch verifizierbar sind! Solche Aussagen sind einfach ein emotionaler Ausdruck der Gefühle dessen, der sie verwendet. Ayer sagt, „wenn ich sage „Geld zu stehlen ist falsch“, dann produziere ich eine Aussage, die keine faktische Bedeutung hat …Es ist so, als hätte ich geschrieben „Geld stehlen!!“ … Es ist klar, dass hier nichts ausgesagt wurde, was wahr oder falsch sein kann“. Somit folgert er, dass Werturteile „absolut keine objektive Gültigkeit besitzen“. Dasselbe gilt für ästhetische Aussagen über Schönheit und Hässlichkeit. Gemäß Ayer werden „solche ästhetischen Worte wie ‚schön‘ und ‚scheußlich‘ nicht verwendet …, um Aussagen über Tatsachen zu treffen, sondern einfach, um bestimmten Gefühlen Ausdruck zu verleihen…“.

Wer die Implikationen dieser Ideen versteht, den verwundert nicht, dass kurze Zeit später die Theologie unter dem Einfluss des Verifikationismus die “Gott ist tot”-Theologie entwickelte. Aber was ist daraus geworden? Wer hat dieses so sichere Gebäude zum Einsturz gebracht? Ein einzelner, relativ schüchterner Mann namens Alvin Plantinga.

Alvin Plantinga

Heute ist Gott in der Philosophie quicklebendig und der Verifikationismus tot und aus der Philosophie komplett verschwunden. Wie ist das passiert? Die Details kann man hier nachlesen, die Kurzfassung trägt einen Namen: Alvin Plantinga. Durch sein Buch “God and other Minds” begann der Verifikationismus zu bröckeln und Plantinga zeigte unermüdlich, dass es durchaus “vernünftig” ist, metaphysische Aussagen zu machen und an einen Gott zu glauben.

“The Society of Christian Philosophers is now the largest single group within the American Philosophical Assoziation” – TempletonPrice

Plantinga ist ein Beispiel, wie Gott durch einen Mann einen ganzen Fachbereich beeinflussen kann, den viele als gottlos aufgegeben hatten. Ich empfehle jedem, den hier zitierten Text von William Lane Craig ausführlich zu lesen, hier ist der Link (PDF):
+ Die Revolution in der angloamerikanischen Philosophie von W.L. Craig

In folgendem Video wird auf kurze und einfache Weise Plantingas Argument, warum der Glaube an Gott nicht irrational ist, erklärt:

Gott unterwandert eine Musikszene

Kommen wir von der Philosophie zu etwas ganz anderem: extreme Musik. Viele ältere Leser werden mit dem Begriff “Metalcore” nichts anfangen können. Es ist auch besser, wenn ihr euch das gar nicht erst anhört, es könnte euren musikalischen Vorstellungsrahmen sprengen und es ist für euch nur Krach. Viele, die noch nicht 30 sind, können aber mit Stichworten wie Warped-Tour, Hardcore, Punk, Breakdowns etwas anfangen: Es war von ca. 2000 bis 2010 eine der erfolgreichsten nichtkommerziellen Musikrichtungen. Metalcore ist eine Fusion von Hardcore-Punk und Heavy Metal, eine Musik die durch extrem heftige Gitarren, Breakdowns und Geschrei gekennzeichnet ist. Die Hardcoreszene ist normalerweise voll von Anarchisten, Punks, Linksradikalen und Veganern – bis zum Rand beladen mit Ideologien, die eigentlich nicht im christlichen Bereich zu finden sind und die Szene galt eigentlich auch nicht gerade als christenfreundlich, ebenso wie die Heavy Metal Szene**.

Der Hype beginnt

Eine christliche Band zu sein galt lange als Stigma, denn es war im Grunde synonym zu “zweitklassige Musik mit sauberen Texten”. Nicht so im Metalcore: Hier entstand so ein Hype, dass es sogar als cool und hip galt, eine christliche Band zu sein (mit dem merkwürdigen Nebeneffekt, dass einige Bands von den säkularen Labels als christlich vermarktet wurden, ohne wirkliche Christen in der Band zu haben). Zeitweise galten die größten genreprägenden Bands alle christlich: Underoath, August Burns Red, Norma Jean, The Devil Wears Prada und Demon Hunter. Im Februar 2007 titelte das Fachmagazin Revolver, christlicher Metal wäre das prägende musikalische Phänomen des Jahres 2006 gewesen.

“2008 übte die Band Broadway Calls harsche Kritik an die Zusammensetzung des Lineups der Warped Tour 2008. In der Kritik ging es über die große Anzahl christlich-orientierter Künstler, die an der Tour teilnahmen, was es für die Band schwer machte sich wohl zu fühlen” – Quelle Wikipedia

Bis heute haben diese Bands eine große säkulare und atheistische Anhängerschaft, weil sie von den positiven Texten, aber auch von ihrer Qualität beeindruckt sind. Einige christliche Bands wurden sogar für den Grammy nominiert. Der Hype um diese Musikrichtung ist mittlerweile vorbei, trotzdem hat dies einen bleibenden Eindruck in der Szene hinterlassen und es gilt als das Musikgenre, was am meisten von Christen durchdrungen ist. Für mehr Details gibt es hier eine Untersuchung der Universität Helsinki zu dem Phänomen:
+ Innovation und Standardization in Christian Metalcore von Ibrahim Abraham

LICHT SCHEINT in der DUNKELHEIT AM HELLSTEN

Hier ein Beispiel dafür, wie Mattie Montgomery das Evangelium mitten auf der Warped Tour 2014 predigt (auf englisch natürlich). Triggerwarnung für sanfte Gemüter: Wenn die Musik einsetzt, bitte schnell ausschalten! ;-)

“I am living proof that there is life in the blood of that man that was spilled on that cross, there is freedom in the blood of that man that was spilled on the cross, if you are looking for hope, look to the cross, if you are looking for freedom, look to the cross, there is no other place where you can find freedom but in the blood of the one true king Jesus!”

Das hier ist keine christliche Tour, man beachte wie deutlich das Evangelium in der Kürze der Zeit gepredigt wird: Jesus Christus, das Kreuz, sein Blut, kein anderer Ort! Hier ein weiteres Beispiel von Mattie und seiner Band For Today, wie er nach 10 Jahren in dieser Musikszene auf dem letzten Abschiedskonzert seiner Band die Bilanz zieht (diesmal ohne Musik):

“They told us that this music sounded too scary to be christian!”

Wen es interessiert, was Gott in solchen Plätzen bewirken kann, dem sei das Buch von Mattie Montgomery “Lovely Things in Ugly Places” ans Herz gelegt, in dem der Sänger über seine Erfahrungen mit Gottes Wirken an solchen Orten schreibt.

Was haben die beiden Beispiele gemeinsam?

Sowohl Alvin Plantinga als auch die verschiedenen Bands gehören in ihren jeweiligen Bereichen zu den besten ihres Faches und genießen den Respekt der Kollegen. Plantinga hat 2017 den Templeton-Preis verliehen bekommen. In beiden Fällen wurde durch Exzellenz ein Zeugnis für Gottes Wirken in und durch Menschen aufgestellt. Beide Bereiche sind eher untypische Bereiche, viele Christen meiden sowohl die Philosophie als auch extremere Musikstile. Gerade in letzterem Bereich können die meisten sich gar nicht vorstellen, dass Gott auch hier wirken kann. Und das ist genau der Punkt, um den es geht: Traue ich Gott zu, dass er heute noch genauso wirkt, oder resigniere ich? Traue ich Gott zu, dass er mit seiner Kraft bis zur letzten Minute dieses Planeten durch mich “Salz und Licht” in dieser Gesellschaft verbreitet? Salz konserviert und verstärkt den Geschmack – genau dazu sind wir berufen und es gab nie eine bessere Zeit dafür als die heutige.

Occupy until I come!

Vor der Abreise rief er zehn seiner Diener zu sich und gab ihnen Geld, jedem ein Pfund. Arbeitet damit, bis ich wiederkomme!, sagte er. - Lukas 19:13

Dies ist das Gebot Jesu, was heute noch viel mehr für uns gilt als vor 2000 Jahren: Arbeitet, seid beschäftigt, okkupiert! Bis ich wiederkomme! In der englischen Übersetzung steht hier der Begriff “occupy“, der heute ein Aktivistenbegriff geworden ist. Ich finde die heutige Assoziation passend! Wir sind so lange beschäftigt, bis Jesus wiederkommt, wir hören nicht vorher auf. Wir resignieren nicht, wir sind Gottes Occupy-Bewegung!

»Der Gerechte aber wird aus Glauben leben«; doch: »Wenn er feige zurückweicht, so wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben«. Wir aber gehören nicht zu denen, die feige zurückweichen zum Verderben, sondern zu denen, die glauben zur Errettung der Seele. - Hebräer 10:38-39

FUßNOTEN

*) Paulus warnt in Kolosser 2:8 nicht allgemein vor der Philosophie, sondern er warnt die Kolosser vor einer Philosophie, die sich auf Überlieferung der Menschen stützt und ohne Christus auskommt. Viele Christen lassen den zweiten Teil des Verses oft aus und verkürzen die Aussage zu einer allgemeinen Warnung vor jeglicher Philosophie, was meiner Meinung nach verheerend ist und stumpfen Antiintellektualismus produziert.

**) Liebe Musikfreunde, verschont mich bitte mit spitzfindigen Kommentaren über subgenrespezifische Merkmale. Ich stelle diese Musikrichtung einer völlig unwissenden Leserschaft vor, da reichen meine didaktischen Reduzierungen völlig aus ;-)

VERGISS NICHT, TEIL 1 und TEIL 2 zu lesen!

+ Das Ende einer Epoche Teil 1 - Das Ende ist nahe!
+ Das Ende einer Epoche Teil 2 - Das Vakuum
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Das Vakuum (Das Ende einer Epoche 2)

Was bisher passiert ist

Im Artikel “Das Ende einer Epoche” habe ich die These aufgestellt, dass die Epoche des Konstruktivismus und die Postmoderne zu Ende geht.

Meine Argumentation ist einfach: Personen, die eigentlich aus dieser Denkschule kommen, schreiben und argumentieren gegen sie, rufen nach einem neuen Weltbild, weil mit dem alten vieles nicht mehr erklärt werden kann (so zum Beispiel der Philosoph Thomas Nagel).

Ein weiteres Argument, welches ich anführe: Die unvorhergesehen negativen Auswirkungen des Konstruktivismus (nämlich die Bedrohung und Behinderung des Wissenschaftsbetriebs, Verhindern von Diskursen und freier Meinungsäußerung, überhöhte Empfindlichkeit und mangelnde Resilienz und nicht zuletzt eine Zerstörung der aufklärerischen Ideale, inklusive Abschaffung der Rationalität – siehe mein voriger Artikel) sind letztendlich ein zu hoher Preis, den viele nicht mehr zu zahlen bereit sind.

Diese Erkenntnis hat unter anderem zur Entstehung des “Intellectual Dark Web” geführt, wo viele Intellektuelle, die wegen ihres Eintretens für freie Meinungsäußerung an ihren Universitäten heftigsten Gegenwind bekommen haben, sich in Podcasts, Blogs und Youtube-Videos eine eigene Öffentlichkeit geschaffen haben und damit sogar eine breite Masse erreichen.

Was jetzt passieren sollte

Immer wenn eine Epoche zu Ende geht, existiert für eine kurze Zeit ein Vakuum. In diesem Vakuum konkurrieren verschiedene neue Denkschulen, bis eine von ihnen die Oberhand gewinnt und der neue wissenschaftliche Mainstream an den Universitäten wird (das ist stark vereinfacht, da es oft nicht so eindeutig ist). Erst Jahre später kann man die konkreten Auswirkungen dieser Ideen in der Gesellschaft beobachten. Ich vermute, dass wir in ein paar Jahren so ein Vakuum haben. In diesem Vakuum ist vieles möglich und hier möchte ich als Christ alle christlichen Leiter, Pädagogen, Pastoren, Theologen, Philosophen und sonstige Denker auffordern, diese Gelegenheit zu nutzen! Wenn wir in den Wissenschaftsbetrieb eingebunden sind, wenn wir Professoren an Universitäten sind, dann ist dies unsere Gelegenheit, dieses Vakuum mit neuen Ideen, mit Substanz, Bedeutung und Wahrheit zu füllen – und so dazu beizutragen, dass die nächste Denkschule eine bessere wird als die, die wir jetzt ausbaden müssen. Wenn wir nicht direkt an diesen Prozessen in der Universität beteiligt sind, haben wir dennoch eine weitere wichtige Aufgabe zu erledigen:

Unsere wichtigste Aufgabe

Wir müssen die nachfolgende Generation für diesen “Kampf der Ideen” vorbereiten und ausrüsten! Als Pastoren, Gemeindeleiter und Pädagogen müssen wir ihnen Mut machen, dass einer von ihnen nicht nur der nächste Billy Graham sein kann, sondern dass einer von ihnen auch ein epochenprägender Wissenschaftler sein könnte, der Ideen und Denkschulen entwickelt, die Gottes Segen in die ganze Gesellschaft hineintragen. Paulus benutzt in Philipper 4:13 tatsächlich das Personalpronomen “Ich“. Er sagt nicht, dass Gott alles kann, sondern er sagt:

"Ich kann alles durch den, der mich fähig macht!" (Philipper 4:13).

Mose hatte am brennenden Busch kein Problem, zu glauben, dass Gott das Volk Israel befreien kann (durch einen anderen), aber er konnte nicht glauben, dass Gott es durch ihn tun kann (Exodus 4:13). Zu glauben, dass Gott es durch mich und heute tun kann, macht einen gewaltigen Unterschied! Dies ist echter Glaube und diesen Glauben gilt es bei der nächsten Generation anzufachen.

Unsere Jugendlichen sind durch das Schulsystem, ihre Helikoptereltern und die sich immer schneller verändernde Gesellschaft oft so verunsichert, dass sie gar nicht den Glauben haben, dass Gott tatsächlich sie benutzen könnte (Sie haben maximal “Glauben” dafür, dass Gott jemand anderes benutzen kann und ihr größter Traum ist ein “sicherer” Beamtenjob). Die besseren von ihnen haben manchmal Glauben für ein Heilungsgebet, es fällt ihnen aber sehr viel schwerer zu glauben, dass Gott ihnen genauso bei der nächsten Matheprüfung helfen kann!

Hier sind wir christlichen Leiter und Lehrer gefragt! Von wem sollen sie sonst Ermutigung und Bestätigung bekommen? Wer wird sie herausfordern, ihre Komfortzone zu verlassen? Oftmals reicht es aus, wenn diese Jugendlichen eine einzige Respektsperson haben, die an sie glaubt (die ihnen wirklich zu spüren gibt, dass sie es schaffen können!). Wenn wir gute charismatische Leiter sind, dann malen wir ihnen als Traum vielleicht vor Augen, dass sie der nächste Billy Graham werden können, aber das reicht nicht! Wir brauchen neben geisterfüllten Evangelisten auch geisterfüllte Pädagogen, Philosophen, Psychologen, Theologen, Rechtswissenschaftler und Naturwissenschaftler, die unsere Gesellschaft mit inspirierten Ideen positiv beeinflussen! Wer wird der nächste Leibniz, der nächste Kierkegaard, der nächste Plantinga, der nächste Tour, der nächste Polkinghorne, der nächste Collins? Und es gibt noch ein paar mehr…

Wenn wir dagegen als christliche Leiter unsere Gesellschaft und unser Land innerlich schon aufgegeben haben, wenn wir resignieren und in den “Früher-war-alles-besser-Chor” einstimmen, wenn wir uns nur noch den Entrückungsbus herbeiwünschen oder einsam mit anderen “wahren Christen” auf das Ende warten und uns vor der Verführung mehr fürchten als vor Gottes Bewahrung, dann werden wir unsere Aufgabe an der nachfolgenden Generation nicht erfüllen können. Haben wir den Glauben, dass Gott selbst in unserer Zeit noch außergewöhnliches schaffen kann? Im nächsten Teil werde ich dafür einige Beispiele liefern!

VERGISS NICHT, TEIL 1 und TEIL 3 zu lesen!

+ Das Ende einer Epoche Teil 1 - Das Ende ist nahe!
+ Das Ende einer Epoche Teil 3 - Occupy!
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