Kommentar

Ein fröhliches Herz

Ich möchte hier ein paar Verse aus Gottes Wort in den Raum werfen, die ich wichtig finde:

Alle Tage des Elenden sind böse, aber ein fröhliches Herz ist ein beständiges Festmahl… Ein frohes Herz erheitert das Angesicht; aber bei Kummer des Herzens ist der Geist zerschlagen (Sprüche 15:13 + 15)

Wenn ich mein Herz fröhlich halte, dann wird mein Leben auch fröhlich sein: ein beständiges Festmahl. Wenn ich mein Herz fröhlich halte, dann wird auch mein Gesicht fröhlich aussehen, aus meinen Augen wird meine Herzenshaltung zu sehen sein. Lasse ich mein Herz in den Kummer hineinkommen, so wird mein Geist zerschlagen. Wie halte ich mein Herz fröhlich? Continue reading →

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Mein Senf zu Hiob #2

Erbarmt euch, erbarmt euch über mich, ihr meine Freunde! Denn die Hand Gottes hat mich getroffen…Doch ich weiß: Mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staub stehen – Hiob 19, 21+25

Hiob kann es nicht totschweigen oder schönreden, denn er hat das schreckliche erkannt: Gott ist an seiner miserablen Lage mitverantwortlich. Hiob weiss, dass er das Leid nicht erlebt, weil er schlecht ist und es irgendwie “verdient” hat (das wollen ihm seine Freunde die ganze Zeit einreden, und sie wollen ihm einreden dass Gott sowas nur mit ganz ganz bösen Menschen machen würde…)

Aber Hiob weiss, dass erstens Gott seine Finger ihm Spiel hat: Die Hand des HERRN hat mich getroffen, und zweitens weiß er, dass ihm dies nicht passiert, weil er was böses getan hat. Doch diese Erkenntnis macht es nur noch schwieriger:
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Mein Senf zu Hiob #1

Hier sind einige Offenbarungen, die ich durch das Lesen von Oswald Chambers Auslegung zum Buch Hiob (”Baffled To Fight Better”) von Gott bekommen habe. Ich habe noch nie darüber gepredigt, aber seit dem ich dieses Buch lese, verlassen mich die Gedanken darüber nicht, und sie nehmen mehr und mehr Gestalt an. Hier eine erste schriftliche Übertragung von dem was Oswald über Hiob schreibt und was ich davon verstanden habe.

MEINE TAGE SIND DAHIN,
MEINE PLÄNE SIND ZERISSEN,
AUCH DIE WÜNSCHE MEINES HERZENS
(Hiob 17,11)

Hiob kommt durch seine Krankheit und vor allem durch die Unerklärlichkeit seiner Krankheit zu der Erkenntnis, dass die Grundlage des Lebens durch und durch tragisch ist. Oft ist der Optimismus, den wir als Christen pflegen nichts anderes als getarnte Oberflächlichkeit. Wir sind schnell dabei, die meisten Sachen wegzuerklären, selbst wenn wir auf unerklärliche Dinge stoßen, so suchen wir schnell eine rationale Lösung. Continue reading →

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Kommentar zum Korintherbrief (#27) – Merkmale der Sprachenrede

Paulus sagt ganz konkret, um welche Gabe wir am meisten eifern sollen, nämlich die Gabe der Prophetie oder Weissagung (14:1). Ich bin in Kapitel 12 schon kurz darauf eingegangen, wie diese Gabe aussieht, und in diesem Kapitel werde ich das noch ausführlicher tun, denn in keinem anderen Kapitel in der Bibel wird so ausführlich über irgendeine Gabe gesprochen. In diesem Kapitel werden zwei Gaben ganz besonders beschrieben, zum einen die der Weissagung oder Prophetie und zum anderen die der Sprachenrede. Diese beiden Gaben werden hier miteinander verglichen und dadurch erhalten wir ausführliche Beschreibungen und Informationen über diese beiden Charismata.

14:2 Denn wer in einer Sprache redet, redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht es, im Geiste aber redet er Geheimnisse.

Hier haben wir vier wichtige Merkmale der Sprachenrede. Erstens, die Sprachenrede richtet sich an Gott. Warum? Weil es zweitens niemand von den Menschen versteht. Drittens redet er im Geist, und viertens redet er Geheimnisse. Wir beginnen mit dem ersten Punkt:

a) Sprachenrede ist Rede zu Gott

Wenn wir die erste Episode in der Bibel lesen, in der die Sprachenrede geschildert wird, fällt uns als erstes zu diesem Thema ein, dass jeder aus der Volksmenge in Apostelgeschichte 2 die Ansprache des Petrus in seiner Muttersprache hörte. Wie passt das mit dieser Aussage zusammen? Und wie passt das mit dem zweiten Merkmal zusammen, (niemand versteht es…), wo es doch gerade in Apostelgeschichte 2 alle verstanden haben? Nun, dieser scheinbare Widerspruch ist sehr leicht zu lösen. Als die Jünger in Apg 2 mit dem Heiligen Geist getauft werden, hat das unter anderem zur Folge, dass sie in neuen Sprachen reden (Apg 2:4). Wo geschah dies? In dem Obergemach, wo sie sich versammelten (Apg 1:13). Da saßen sie jetzt, wurden erfüllt mit dem Heiligen Geist und begannen in neuen Sprachen zu reden – vermutlich alle gleichzeitig, denn da steht, dass sie alle redeten. Das Sprachenreden wird wahrscheinlich richtig Krach gemacht haben, das störte aber niemanden, da sich gleichzeitig noch ein Brausen wie von einem gewaltigen Wind ereignete, was eine noch viel gewaltigere Geräuschkulisse gewesen sein muss. Zu diesem Zeitpunkt haben die Jünger in neuen Sprachen geredet, aber sie hatten noch keine Zuhörer – die waren noch nicht gekommen. Sie waren im Obersaal, und redeten in neuen Sprachen zu Gott, zumindest für eine bestimmte Zeit. Sie haben sich da aus Angst vor den Römern natürlich heimlich getroffen, doch durch den Lärm, den der gewaltige Wind machte, konnte dieses Treffen nicht mehr heimlich bleiben, und so lesen wir, dass sich das Gerücht verbreitete und die Menge zusammenkam um nachzusehen, was da vor sich geht (Apg 2:6). Natürlich verbreiten sich Gerüchte schnell, aber es wird zumindest eine Weile gedauert haben, bis die Leute alle bei diesem Obersaal angekommen waren. Die Jünger hatten zu keiner Zeit die Absicht zu dem Volk zu reden, sie waren mit Gott beschäftigt, durch den Heiligen Geist und haben sich gar nicht um die schaulustige Menge gekümmert, denn da steht dass sie einfach weitergeredet haben: Als sich aber das Gerücht hiervon verbreitete, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt, weil jeder einzelne in seiner eigenen Mundart sie reden hörte (Apg 2:6). Die Menge hörte sie reden und jetzt passiert ein neues Wunder, nämlich die Menge versteht das was die Jünger reden, und zwar jeder in seiner eigenen Muttersprache. Hier passiert ein zweites Wunder. Das erste Wunder war das Reden in neuen Sprachen, jetzt passiert ein zweites Wunder, aber dieses Wunder passiert bei den Zuhörern: Sie verstehen, was geredet wird. Es ist nicht ein Sprachen-Wunder, sondern ein Hör-Wunder. Die Jünger halten noch keine Ansprache an das Volk, das kommt erst später durch Petrus, sie sind damit beschäftigt, in neuen Sprachen zu Gott zu reden. Doch Gott tut ein zweites Wunder und lässt die Menge das Gesagte verstehen. Was haben sie denn da gehört? Wir lesen in 2:11, dass sie etwas über die großen Taten Gottes verstehen – mit anderen Worten, die Jünger preisen und loben Gott für seine Taten. Erst als die Menge sich darüber entrüstet, steht Petrus auf, und richtet sich direkt an die Menge (2:14). Jetzt erst beginnt die Predigt zu den Leuten, und diese Predigt ist keine Sprachenrede mehr, es ist nicht mehr Rede zu Gott, sondern Rede zu den Menschen. Bis hierher war es Sprachenrede, die Jünger haben zu Gott geredet und Gott für seine Taten gelobt. Ähnlich lief es auch im Hause des Kornelius ab, sie wurden mit dem Heiligen Geist getauft und Petrus hörte sie in neuen Sprachen reden und Gott preisen (Apg 10:46).

b) Sprachenrede versteht niemand.

14:2 …denn niemand versteht es…

Dieser Punkt bereitet vielen Schwierigkeiten. Grundsätzlich ist es ein Merkmal der Sprachenrede, dass sie unverständlich ist, aber wir lesen in den weiteren Versen und haben bereits in Apg 2 gesehen, dass es hier Ausnahmen gibt. Wenn Gott aber nicht ein „Hör-Wunder“ tut wie in Apg 2 oder ein „Versteh-Wunder“ (wie zum Beispiel die Gabe der Auslegung der Sprachen) dann versteht niemand es. Dies ist gerade ein Punkt, der für die meisten Menschen das größte Hindernis für die Ausübung dieser Gabe ist. Es ist eine Demütigung für den Verstand und besonders für den Intellektuellen Menschen, Dinge auszusprechen, die er nicht versteht. Das Problem ist ja nicht nur, dass die anderen nichts verstehen, sondern dass der Sprecher selber nicht versteht, was er ausspricht. In diesem gesamten Abschnitt macht Paulus deutlich, das gerade dieses Merkmal der Sprachenrede der entscheidende und kritische Punkt ist. Weil niemand die Sprachenrede versteht (es sei denn dass sie durch die Gabe der Auslegung verständlich gemacht wird), deswegen kann diese Gabe nicht als Ersatz für die Gabe der Prophetie dienen. Weil niemand das Gesagte versteht, deshalb erbaut/belehrt/ermahnt es die Versammlung auch nicht. Warum soll man die Gabe denn überhaupt ausüben? Diese Frage wird noch geklärt werden, aber dazu brauchen wir erst weitere Informationen, die Paulus uns in den kommenden Versen geben wird.

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Kommentar zum Korintherbrief (#25) – Von Angesicht zu Angesicht

Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was kindisch war. Denn wir sehen jetzt durch einen Spiegel, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie auch ich erkannt worden bin. (1. Kor 13:11-12)

Paulus spricht hier von einem bedeutenden Unterschied um diesen Sachverhalt zu erklären: der Unteschied zwischen Kind und Mann. Und dann vergleicht er das jetzige mit dem zukünftigen, das was jetzt ist, dass entspricht der Erfahrung des Kindes und das was dann kommt, entspricht der Erfahrung des Mannes. Ein Kind beurteilt die Dinge anders als ein Mann, ein Kind sieht die Tatsachen nicht notwendigerweise falsch, aber es erkennt nicht, was dahinter steckt. Paulus vergleicht diesen Kind-Mann Unterschied mit der jetzigen Zeit und dem Zukünftigen, das noch kommen wird: Jetzt sehen wir durch einen Spiegel, undeutlich – das beschreibt den Kindheits-Zustand der Gemeinde, dann aber von Angesicht zu Angesicht – das beschreibt eine Zeit die noch nicht gekommen ist (…dann aber…), es beschreibt den Zustand der Reife, von dem Paulus auch in Epheser 4 geschrieben hatte, von dem „erwachsenen Mann“. Wenn wir diese beiden Stellen zusammen lesen, dann ist dieser Vers absolut einfach zu verstehen: Epheser 4:11-13 spricht vom „Vollkommenen“ und vom „erwachsenen Mann“, und 1. Korinther 13:10-12 spricht ebenfalls vom „Vollkommenen“ und vom „erwachsenen Mann“. Aus Epheser 4 erfahren wir, dass die Dienste (und damit auch die Gaben) solange notwendig sind, bis dieser vollkommene Zustand erreicht ist, und aus 1. Kor 13 erfahren wir, dass gewisse Gaben nicht mehr notwendig sind, wenn das Vollkommene gekommen ist. Diese Verse aus dem Korintherbrief erklären uns aber noch mehr als das: Wenn das Vollkommene gekommen ist, dann schauen wir von Angesicht zu Angesicht:

Denn wir sehen jetzt durch einen Spiegel, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht, Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie auch ich erkannt worden bin. (1.Kor 13:12)

Spätestens jetzt muss jedem klar werden, dass hier niemals die Bibel gemeint sein kann, denn niemand kann aus dem geschriebenen Wort Christus von Angesicht zu Angesicht erkennen. Der Ausdruck „Angesicht zu Angesicht“ beschreibt eine reale Begegnung mit der Person Christus, die man dann sehen kann, die man „von Angesicht“ – also mit den eigenen Augen – sehen kann. Dies kann daher nur dann der Fall sein, wenn Christus ein zweites Mal auf die Erde wiederkommt, und wie wir wissen wird das dann der Fall sein, wenn er als Bräutigam die Gemeinde als seine Braut abholt. Und diese Braut wird dann ohne Flecken und Runzeln sein, sie wird „vollkommen“ sein. Durch diese Beschreibung ergibt sich ein klares Bild von den Zusammenhängen:

Die Geistesgaben sind zur Auferbauung der Gemeinde notwendig, bis die Gemeinde einen Reifezustand der Vollkommenheit erreicht hat. Dann ist die Vorbereitung der Gemeinde zur Braut Christi abgeschlossen und Jesus wird seine Braut persönlich abholen kommen. Dann haben die Geistesgaben ihren Zweck erfüllt und sie werden aufhören, weil das Vollkommene gekommen ist: die Gemeinde, die zusammen mit ihrem „Bräutigam“ auf dem Thron sitzt und über die Erde herrscht. Christus wird dann von Zion aus über die gesamte Welt herrschen, das Heil wird von den Juden ausgehen, die Völker werden sich bekehren, es wird keine Versuchungen zur Sünde mehr geben, weil der Teufel für tausend Jahre gebunden ist und es wird das erste Mal seit Anbeginn der Zeit echten Frieden auf der gesamten Erdkugel geben. Dies wird von den Theologen normalerweise als das 1000-jährige Reich beziechnet, und dieses Friedensreich wird dann beginnen, wenn Jesus wiederkommt, um seine Gemeinde abzuholen. Und während dieser Zeit werden die Gläubigen Christus von Angesicht zu Angesicht sehen, denn sie sind vom und durch den Glauben zum Schauen gekommen. In der jetzigen Zeit wandeln wir im Glauben, wenn das Vollkommene da ist, dann hat unser Glaube seine Erfüllung gefunden. Dann gibt es kein „Stückwerk“ mehr, dann gibt es nur noch Vollkommenes.

Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe. (1. Kor 13:13)

Dieser Vers fasst noch einmal die wichtigste Lektion dieses Kapitels zusammen: Ohne die Liebe bringen die Gnadengaben keine lebendige Frucht, ohne die Liebe verlieren die Gnadengaben ihren Nutzen. Ohne Liebe wird die Wirkung der Gnadengaben sogar ins Gegenteil verkehrt. Die Liebe ist das das Fundament, „das größte von diesen“ ganzen guten Dingen.

Niemand würde hier auf die Idee kommen, dass Glaube und Hoffnung was schlechtes wären, nur weil die Liebe hier als das größte bezeichnet wird. Daher ist es auch sinnlos die Gnadengaben als etwas schlechtes hinnzustellen, nur weil in diesem Kapitel die Liebe als das Fundament der Gnadengaben beschrieben wird. Die Liebe ist das Endziel (Tit 1:5), und diese übernatürliche Liebe ist durch den Heiligen Geist in unser Herz gegossen worden.

(Wenn man sich die letzten drei Teile dieser Auslegungsreihe nacheinander durchliest, dürften die wesentlichen Fragen zu Kapitel 13 alle beantwortet sein: Teil 23, Teil 24)

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Kommentar zum Korintherbrief (#24) – Stückweise erkennen und prophezeien

Denn wir erkennen stückweise, und wir prophezeien stückweise (1. Kor 13:9)

Jetzt ändert sich der Fokus, in den vorigen Versen war von der Liebe und von drei Gnadengaben die Rede, jetzt konzentriert sich der Apostel Paulus auf die Gnadengabe der Erkenntnis und der Prophetie. In diesem Vers erfahren wir zunächst eine immens wichtige Begleiterscheinung, die gerade mit diesen beiden Gaben verknüpft ist. Die Ausübung dieser Gaben ist nicht “vollkommen”, sondern “stückweise”. Diese beiden Worte sind Gegensätze in der Heiligen Schrift. Gerade das Wort “Vollkommen” wird oft falsch verstanden, es bedeutet nicht “fehlerfrei” oder “sündlos”, sondern es ist eher im Sinne von “komplett” oder “vollständig” zu verstehen1 (dies erkennt man aus dem Zusammenhang in dem das Wort an den verschiedensten Stellen in der Bibel gebraucht wird, es würde den Rahmen sprengen, hier genauer darauf einzugehen. In den Anmerkungen der Scofield-Bibel wird dies genauer erklärt). Das Wort “stückweise” bedeutet dagegen “unvollständig”, das Gegenteil zu “vollkommen”. Wenn wir jetzt beachten, dass sich die Prophetie stückweise, also nicht vollständig ereignet, und ebenso das Wort der Erkenntnis kein vollständiges Wort ist, dann verstehen wir, warum diese Außerungen in der Gemeinde so oft falsch verstanden oder missbraucht werden. Selbst wenn das prophetische Wort eines Predigers 100% von Gott ist, bedeutet es noch lange nicht, dass damit alles gesagt ist, deswegen gibt Paulus im 14. Kapitel auch die Anordnung, das mehrere Propheten sprechen, und nicht nur einer. Hat unsere Gemeinde dagegen ein Pastoralsystem, wo ein Pastor die meisten Predigten hält, aber nicht von anderen Brüdern ergänzt wird, so ist die Lehre, die Erkenntnis, und das prophetische Wort dieses Pastors vielleicht nicht falsch, aber auch nicht vollständig. Das muss es in der Gemeinde Christi auch nicht sein, denn Gott hat ja zum Glück kein Pastoralsystem angeordnet, sondern die aktive Gemeinschaft aller Gläubigen, so wie wir das aus 1. Kor 14:26 erfahren:

Wenn ihr zusammenkommet, so hat ein jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Sprache, hat eine Offenbarung, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung. (1. Kor 14:26)

Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder – dies ist eine der ganz wenigen Ordnungen im Neuen Testament, die uns konkrete praktische Anweisungen erteilt, was wir zu tun haben, wenn wir uns im Namen Jesu versammeln. Und es ist so wichtig, dass “ein jeder hat”, denn was der eine nicht hat, dass wird das Stückwerk des anderen nicht vervollständigen.

Gerade diese beiden Gaben sind “Stückwerk”, das bedeutet auch, dass sie bei jedem unterschiedlich ausgeprägt sind – nicht jeder hat gleiche Erkenntnis aus dem Wort der Schrift, und nicht jeder hat die gleiche prophetische Einsicht in das Herz Gottes. Das müssen wir respektieren, es ist eine Tatsache. Versammeln wir uns auf der Grundlage der Erkenntnis, so wird unsere Versammlung niemals eine Einheit sein, denn die Erkenntnis ist in jedem verschieden. Besteht die Grundlage unserer Gemeinde darin, dass alle Mitglieder die gleiche Lehre vertreten, so ist das eine Einheit auf der Grundlage der Erkenntnis – und diese Einheit ist nur Stückwerk und wird früher oder später zerbrechen. Versammeln wir uns auf Grundlage gewisser Prophezeiungen, die vielleicht über uns, oder über unsere Stadt gemacht wurden, so ist auch diese Grundlage nur Stückwerk und kein festes Fundament.

Das die Gabe der Prophetie stückwerk ist, das sollte uns auch eine Warnung sein, nüchtern mit einem prophetischen Wort umzugehen. Wenn ein Wort von Gott ist, dann wird es göttliche Frucht bringen, es wird nicht leer zurückkehren und es wird eintreffen, wenn es eine Voraussage ist. Wir sollten das prophetische Wort ernst nehmen, aber es muss unbedingt geprüft werden und wir sollten uns niemals von einem prophetischen Wort zu einer unüberlegten Tat hinreissen lassen. Wir müssen auch aufpassen, dass wir uns von dem prophetischen Wort niemals unter Druck setzen lassen, viel Missbrauch ist in dieser Hinsicht schon passiert (vor allem in der Word-of-Faith-Bewegung, wo in machen extremen Gemeinden das prophetische Wort mit dem Bibelwort gleichgesetzt wird, was aber problematisch ist, da die Bibel kein Stückwerk ist, das prophetische Wort dagegen schon). Mehr dazu im 14. Kapitel, es reicht, wenn wir uns hier merken, dass diese beiden Gnadengaben “Stückwerk” sind.

wenn aber das Vollkommene gekommen sein wird, so wird das, was stückweise ist, weggetan werden. (1. Kor 13:10)

Jetzt kommen wir zu einem wunderbaren Vers, der uns die Zussammenhänge weiter erklärt. Dieser Vers bezieht sich zunächst auf den vorhergehenden, wo Paulus erklärt, was Stückwerk ist, nämlich die Prophetie und die Erkenntnis. Wenn jetzt das Vollkommene kommt, dann verschwindet das Stückwerk, also die Prophetie und die Erkenntnis.

Zunächst müssen wir anmerken, dass nur diese beiden Gaben verschwinden, wenn das Vollkommene kommt. Von der Gabe der Sprachenrede wird zwar in 13:8 gesagt, dass sie verschwinden wird, aber es wird nicht gesagt wann. In Bezug auf den Zeitpunkt des Verschwindens werden wir nur über die beiden Stückwerk-Gaben (Prophetie und Erkenntnis) aufgeklärt. Wenn jetzt jemand der Meinung ist, dass Vollkommene wäre schon da, so würde das erklären, warum Prophetie und Erkenntnis aufgehört hätte, es würde aber noch lange nichts über die Gabe des Sprachenredens aussagen. Paulus hat sich hier und im vorigen Vers auf diese beiden Gaben konzentriert, die Stückwerk sind. Die Gabe der Sprachenrede ist dagegen kein Stückwerk. Wenn das Vollkommene kommt, wird lediglich das Stückwerk aufhören. Diese logische Schlussfolgerung übersehen leider viele Menschen. Ich möchte daher noch einmal sehr dringlich darum bitten, nicht oberflächlich mit dem Wort Gottes umzugehen. Wenn wir von uns behaupten, dass wir bibeltreue Christen sind (was immer das auch heissen mag…), dann sollen wir bitte auch danach leben.

Was aber ist jetzt das Vollkommene? Ist es damit die Bibel gemeint? Einige Ausleger haben das so ausgelegt, allerdings gibt es in der ganzen Bibel selber keinen einzigen Hinweis darauf, dass mit dem Vollkommenen der abgeschlossene Kanon der biblischen Schriften gemeint ist. Wenn wir uns alle Verse im Neuen Testament anschauen, die dieses Wort benutzen, so fällt eines auf: Das Wort „Vollkommen“ wird fast immer in Bezug auf Personen benutzt. Es wird niemals eine Sache beschrieben, die vollkommen ist, es wird dagegen ein Zustand der Heiligung beschrieben und es steht im Zusammenhang mit Gott und Christus (Mat 5:48, Mat 19:21, Röm 12:2, 1 Kor 2:6, Eph 4:13, Phi 3:15, Kol 1:28, Kol 4:12, Heb 9:11, Jak 1:4, Jak 1:17, Jak 1:25, Jak 3:2, 1.Jo 4:18, Heb 5:14, 1.Ko 14:20). In den meisten Stellen werden wir dazu aufgefordert „vollkommen“ zu werden (und ich habe schon vorher erklärt, dass dies nicht Sündlosigkeit bedeutet, sondern Vollständigkeit, die Personen die die Bibel für vollkommen erklärt waren auch nicht sündlos). Ein Vers gibt uns einen besonderen Schlüssel zum Verständnis:

bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Manne, zu dem Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus; (Eph 4:13)

Wo steht in diesem Vers das Wort „Vollkommen“? Das Wort wurde hier übersetzt mit „dem erwachsenen Manne“, und wie wir vorher schon gezeigt haben, steht dieser Vers im Zusammenhang mit den Diensten (und damit auch mit den Gnadengaben). Dieser Vers beschreibt den genauen Zeitpunkt, bis wann es die Dienste (Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer) geben wird: Bis der Leib Christi zum erwachsenen (vollkommenen) Mann herangewachsen und auferbaut ist. Hier wird zugleich auch der Sinn und Zweck beschrieben: Die Dienste (und damit auch die Gaben, denn die Dienste beinhalten ja die Gaben und Kraftwirkungen) sind das Werkzeug zum Bau des geistlichen Menschen, zur Auferbauung des Leibes Christi, der Gemeinde. Wenn die Gemeinde zubereitet und vollkommen ist, dann kommt Jesus wieder und wird sie als seine Braut abholen und dann sind die Gnadengaben und Dienste nicht mehr notwendig. Das zeigt uns Paulus in den folgenden Versen sogar noch deutlicher auf.

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Kommentar zum Korintherbrief (#23) – Prophezeiung und Erkenntnis werden weggetan, Sprachen werden aufhören

Die Liebe vergeht niemals, seien es aber Prophezeiungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. (1. Kor 13:8)

Wie sollte diese Liebe auch vergehen, wenn Gott die Liebe ist? Das ist unmöglich. Die Gnadengaben sind lediglich Werkzeuge, die Liebe aber ist kein Werkzeug, sie Teil von Gottes Charakter. Die Gnadengaben sind für einen bestimmten Zweck gegeben, und wenn dieser Zweck erfüllt ist, dann braucht man sie nicht mehr. Wenn das Haus einmal fertig gebaut ist, dann benötigt man den Kran, den Betonmischer und die übrigen Werkzeuge nicht mehr. Es wäre sinnlos, nach der Beendigung des Baus immer mehr Werkzeuge zu kaufen oder die Werkzeuge auszubessern. Genauso ist es auch mit den Gaben, sie sind Mittel zum Zweck, Werkzeuge um das geistliche Haus, den Leib Christi, zu erbauen. Wenn dieser erbaut ist, dann braucht kein Mensch mehr die Gnadengaben.

In diesem Vers ist von drei Dingen die Rede, die „weggetan“ werden: Prophezeiungen, Sprachen, Erkenntnis. Aus dem vorigen Kapitel wissen wir, dass dies Gnadengaben sind. Wer diesen Vers allerdings als Begründung anführen möchte, warum es diese Gnadengaben nicht mehr gibt, der muss sich immer noch eingestehen, dass hier lediglich von drei Gaben die Rede ist. Mit diesem Vers lassen sich Gnadengaben wie Heilungen und Wunder nicht wegerklären.

Fest steht, dass zumindest diese drei Gaben aufhören werden, und die logische Folgerung ist, dass sie deshalb aufhören, weil sie ihren Zweck erfüllt haben. Die Liebe dagegen ist das Endziel, die Summe unseres ganzen Glaubens, sie ist der ultimative Charakterzug Gottes, zu dem wir berufen sind:

so setzet nun all euren Fleiß zu dem hinzu und reichet dar in eurem Glauben die Tugend, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Enthaltsamkeit, in der Enthaltsamkeit aber die Ausdauer, in der Ausdauer aber die Gottseligkeit, in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe zu allen Menschen. (1. Petr 1:5-7)

Wir sehen hier, dass diese reine Liebe nicht das erste ist, was wir in unserem Leben erfahren. Denn obwohl diese Liebe durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen ist, kann es sehr wohl eine Weile dauern, bis wir sie wirklich in unserer Erfahrung erleben. Petrus zählt hier gewisse Dinge auf, die aufeinander folgen und aufbauen, und die Liebe steht als letztes, sie ist das höchste Ziel, dem nichts mehr folgt. In der Aufzählung des Petrus ist die Liebe eine Folgerung aus den vorigen Dingen. Paulus bezeichnet die Liebe sogar als „Endziel“:

Das Endziel des Gebotes aber ist: Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben (Titus 1:5)

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Kommentar zum Korintherbrief (#22) – Göttliche Liebe und menschliche Liebe

Ist schon ne Weile her, seit ich den letzten Beitrag dieser Art gepostet habe. Daher noch mal den letzten Satz aus Teil 21 zum einfacheren Einstieg:

Wenn wir „in Christus“ sind, dann sind wir auch in seiner Liebe.

Was heisst dies ganz einfach und praktisch? Wenn du die Gabe der Lehre hast und lehrst, aber deine Beziehung zu Jesus ist aus irgendeinem Grund nicht in Ordnung (unbekannte Sünde, absichtlicher Ungehorsam, usw) dann wird dein Lehren keine dauerhafte Frucht bringen, weil du nicht in der Liebe bist. Die Menschen werden es eher als „belehrend“ anstatt als „überführend“ empfinden, es wird kein geistliches Leben bringen. Wenn du die Gabe der Erkenntnis hast, und du durchschaust und hinterschaust Dinge, die andere nicht sofort sehen, du aber keine Liebe hast, dann wird das in einem kritischen Geist resultieren, der nur noch Fehler sieht und kritisiert. Daher ist die Liebe und das „in Christus-Sein“ noch viel wichtiger als die Gaben selber. Der Geber ist größer als die Gaben, das dürfen wir niemals vergessen. Ich habe vorher geschrieben, dass die Gnadengaben, die Kraftwirkungen und die Dienste nichts anderes als Manifestationen von Christus sind, aber wenn du nicht „in Christus“ bist, dann sind es nur Manifestationen von dir selbst, von deinem Ich und deinem Fleisch. Du teilst nicht Christus an den Leib aus, sondern du teilst dich selbst dem Leib Christi mit. Die Ausübung deiner Gaben ist „irdisch“, und wenn du sie weiter exzessiv ausserhalb von Christus praktizierst, dann wird es nicht „irdisch“ bleiben, sondern es wird weiter abdriften, es wird seelisch und irgendwann dämonisch. Glauben wir wirklich, dass wir christlichen Dinge und Taten ausserhalb von Christus tun können? Selbst Jesus weigerte sich, seine eigene Kraft zu benutzen, obwohl er ohne Sünde war. Das heisst, es geht gar nicht darum wie gut oder wie schlecht unsere Taten sind, sondern ob sie „in Christus“ oder ausserhalb von Christus sind. Alles was nicht in Christus ist, das ist irdisch. Darauf kommt es an, und daran kann man erkennen, ob man Eins mit Christus ist oder nicht. Und darauf kommt es auch bei der Ausübung der Gnadengaben an, denn obwohl die Gaben an sich übernatürlich sind und vom Geist gegeben werden, so werden sie doch in unsere Verantwortung und zu unserer Verwaltung gegeben und wir werden Gott Rede und Antwort stehen, wenn wir seine übernatürlichen Werkzeuge für uns selbst missbrauchen indem wir sie ohne Liebe praktizieren. Denn die Gaben ohne Liebe zu praktizieren heisst gleichzeitig, sie nicht für die anderen, sondern für sich selbst auszuüben: Continue reading →

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Kommentar zum Korintherbrief (#21) – Gaben des Geistes oder Frucht des Geistes

Mittlerweile sind wir im 13. Kapitel angelangt und ich bin mit meinem Korintherbriefkommentar noch lange nicht fertig. Ich weiss, dass einige den Senf regelmäßig lesen und schätzen, aber ich habe keine Ahnung wie viele das sind – ist mir eigentlich auch egal, wäre aber mal interessant zu wissen, wer sich solche langen Beiträge durchliest…könnt ja nen Kommentar hinterlassen. Andererseits hat der Senf auch schon zu einigen relevanten Disskussionen geführt, was ich durchaus schätze. Das 13. Kapitel ist das Kernstück des Korintherbriefes in Bezug auf die Gnadengaben und den Heiligen Geist, und hier werden einige Fragen (zur Dauer der Gaben usw) beantwortet, die von immenser Wichtigkeit sind. Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem Kapitel. Leider habe ich meine korrigierte Version irgendwo verschlürt, deswegen werde ich jetzt hier die fehlerhafte Fassung posten. Wer einen Fehler findet darf ihn behalten oder einen Kommentar posten…

Paulus erwähnte am Schluss von Kapitel 12 dass er einen noch besseren Weg aufzeigen möchte, und damit sind wir mitten im Thema des 13. Kapitels.
Was aber ist der bessere Weg? Was kann denn größer sein, als die Gaben, wenn wir aufgefordert werden, nach ihnen zu „eifern“, also sie von ganzem Herzen zu begehren? In welchem Maße sollen wir dann nachdem noch besseren Weg eifern? Diesen Fragen müssen wir uns stellen. Das Thema des 13. Kapitels kein Geheimnis, es ist Liebe, das wird schon im ersten Vers unmissverständlich klar. Continue reading →

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Kommentar zum Korintherbrief (#19) – Um die größeren Gnadengaben eifern

Eifert aber um die größeren Gnadengaben; (1. Kor 12:31)

Wahrscheinlich hat der Heilige Geist geahnt, dass die vorigen Verse von vielen falsch und unnüchtern verstanden werden, daher ist es umso bemerkenswerter, dass nach 12:29-30 diese Aufforderung geschrieben steht. Es haben nicht alle, stellt Paulus fest, daher ist es umso notwendiger, dass die Glieder des Leibes Christi nach den Gnadengaben eifern, und es steht sogar nach welchen Gaben die Kinder Gottes streben sollen: Nach den größeren Gnadengaben. Hier legen wir oft eine falsche Bescheidenheit an den Tag, viel zu oft sind wir mit dem zufrieden, was wir haben, anstatt dass wir der dem Wort Gottes gehorchen und uns nach den Dingen ausstrecken, wie Gott es uns gebietet.

Wenn wir hier das griechische Wort zeloo betrachten, welches hier mit „eifern“ übersetzt wird, dann erkennen wir die Ernsthaftigkeit, die hinter diesem Wort steckt. Dieses Wort bedeutet nicht nur einfach „danach streben“, oder „etwas begehren“, nein, die Bedeutung dieses Wortes ist viel stärker und extremer. Der Begriff „Zelot“ ist aus diesem Wort abgeleitet, wer die Zeloten kennt, der weiss, das dies nichts anderes als Fanatiker waren. Wir haben ihm deutschen kein Wort, dass die Intensität dieses Ausdrucks angemessen wiedergibt (vielleicht weil unsere deutsche Kultur nüchterner ist als die semitische Kultur). Wenn hier also im deutschen das Wort „eifern“ steht, dann ist damit gemeint, dass wir mit einem fanatischen Eifer die Gnadengaben begehren sollen. Mir ist klar, dass dies ungewohnte Worte für einige Gläubige sind, aber es sind nicht meine Worte, ich habe bloß erklärt, was hier im Wort Gottes schwarz auf weiß geschrieben steht. Wenn Christen predigen, dass wir nicht nach den Gaben streben sollen, dann steht das im direkten Gegensatz zu dem geschriebenen Wort Gottes. Unser Gott ist ein eifernder Gott, und er möchte dass wir diesen Wesenszug widerspiegeln, daher schreibt er diese Worte – und sie stehen ja nicht nur im 12. Kapitel des Korintherbriefes, es gibt noch viele andere Stellen in der Bibel, wo uns gesagt wird, dass wir nach den geistlichen Dingern eifern sollen. Vielleicht denkst du, dass was da in der Bibel steht, ist vielleicht anders gemeint, oder du denkst, man muss dass nicht so ernst nehmen, dann prüf dich einmal, warum du so eine innere Abneigung dagegen verspürst, warum lehnst du dich gegen das Wort Gottes so auf? Warum rebelliert dein Herz oder dein Verstand innerlich? Weil diese ganze Angelegenheit eine Herrschaftsfrage ist. Dies ist nichts, was man mit dem Verstand einfach so begreifen kann, um diese Dinge zu verstehen muss man sich der Herrschaft des Geistes in allen Bereichen (auch im Bereich des Verstandes) unterordnen. Hast du das nicht getan, dann wird es dir nicht helfen, dieses Thema immer und immer wieder zu studieren und ein Buch nach dem anderen darüber zu lesen. Das einzige, was dich dem wahren Verstehen näher bringt, ist die Buße, die Herzensänderung. Warum musste zuerst Johannes der Täufer kommen und die Buße predigen, bevor Jesus kommen und das Evangelium predigen konnte? Weil nur die Herzen, die Buße getan hatten, für das Evangelium aufnahmefähig waren. Wer sich nicht demütigen wollte, der konnte das Evangelium der Gnade – trotz aller Wunder und Zeichen – nicht verstehen. Genauso verhält es sich mit allen geistlichen Dingen: Der Schlüssel zum wahren Verständnis ist die Buße, die Demütigung und Herzensänderung.

Paulus sagt uns auch genau, um welche Gnadengaben wir eifern sollen, nämlich um die größeren Gaben. Dies steht auch im Gegensatz zu unser deutschen Prägung, wir wurden gelehrt, dass wir Bescheiden sein sollen und uns mit dem was wir haben zufrieden geben sollen. Aber diese deutsche Prägung steht nirgendwo in der Bibel. Du kannst sie von vorne bis hinten untersuchen, du wirst bei den Männern Gottes diese Haltung nicht finden, im Gegenteil, sie waren nie zufrieden mit dem was sie hatten, sie wollten mehr. Die Bibel nennt dieses Zufriedensein mit dem gegenwärtigen Zustand auch Lauheit. Es ist eine falsche Bescheidenheit, wenn wir uns mit dem was wir haben zufrieden geben, wenn Gott uns durch sein Wort mitteilt, dass er gerade das nicht möchte. Diese Art von Bescheidenheit ist in Gottes Augen ein Greuel, er wird dies genauso verurteilen, wie er den Knecht verurteilt hat, der sein Talent vergraben hatte. Wer sind wir, dass wir meinen, es besser zu wissen als Gott? Wenn Gott sagt „Eifert!“, dann sagen wir, dass ist nicht notwendig, es gibt ja wichtigere Dinge. Wenn Gott sagt „Nach den größeren Gnadengaben!“, dann sagen wir „Ach ich hab doch schon Sprachenrede und Gebet, das reicht doch!“

Einer der Hauptgründe, warum wir uns nicht trauen nach den größeren Gaben zu eifern ist der, dass wir Angst vor der Enttäuschung haben. Wir haben unbewusst Angst, dass unser Eifern nicht belohnt und vergebens war. Dies ist nichts anderes als Feigheit und Unglaube. Zum einen sind wir zu feige uns in so ein Wagnis zu stürzen, zum anderen hegen wir immer noch so ein geheimes Misstrauen gegenüber Gott, als ob er uns was Böses wolle. Oder wir denken, wir könnten nachher von Gott enttäuscht sein – wenn Gott uns enttäuschen kann, dann heisst dass, das unser Glaube ziemlich oberflächlich ist, und wir ein falsches Bild von Gott haben. Je eher dieses falsche Bild von Gott einstürzt, umso besser. Dietrich Bonhoeffer schreibt, dass Gott uns „ent-täuschen“ muss, dass er uns von all unsereren Täuschungen befreien muss, bis wir eine echte Gotteskenntnis haben. Natürlich ist das ein schmerzhafter Prozess, und das wiederum gehört zu dem Preis, den man für geistliche Dinge bezahlen muss. Viele lesen diese Verse, und in einem anfänglichen brennenden, aber oberflächlichen Eifer stürzen sie sich in das Gebet und sagen Gott, dass sie von jetzt an nach den größeren Gnadengaben streben wollen. Dieser anfängliche Eifer ist nicht zu verurteilen, im Gegenteil, er ist besser als niemals Eifer zu haben, es ist ein erster Schritt auf dem Weg. Dieser anfängliche Eifer ist ganz natürlich, aber er wird auf die Probe gestellt werden von Gott, und nach einiger Zeit wird der erst Eifer die Person verlassen, und sie wird ins Zweifeln kommen, wenn die Gaben immer noch nicht gegeben wurden. Dann kommt die entscheidende Phase, wenn man dann trotz aller Gefühle und trotz allen ausbleibenden Eifers trotzdem im Glauben beharrt und weiterstrebt, dann ist amn auf dem besten Weg zum Empfang der größeren Gaben. Man kann davon ausgehen, dass der Teufel hier nicht unbeteiligt ist und einfach nur zuschauen wird, wie der Christ eine Ausrüstung empfäng, die dem Teufel allergrößten Schaden anrichten kann. Der Teufel wird angreifen, denn er weiss, dieser Christ ist auf dem besten Wege, wirklich gefährlich zu werden. Durch diese Kämpfe gibt es keine Abkürzungen und viel zu wenige Bücher, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzten berichten von diesen Kämpfen. Viele Bücher lassen diese Kämpfe und den Preis, der zu zahlen ist, oft aus, dadurch werden die Leute oft in die Irre geführt oder lernen nicht das Ausharren im Glauben. Der einzige mir bekannte Author, der über diese Kämpfe beim Empfang der Kraft des Geistes und der Geistesgaben geschrieben hat, war A. W. Tozer (vielleicht kennen die Leser ja noch mehr, bitte mich informieren…).

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