Mein Senf zum Korintherbrief, Teil 7

Denn dem einen…einem anderen…einem anderen… (1. Kor 12:8)

Das einleitende Wörtchen denn zeigt, dass die jetzt folgenden Erklärungen sich auf Vers 7 beziehen. Einem jeden wird eine Wirkung des Geistes gegeben, und jetzt gibt Paulus Beispiele, wie dieses Aussehen kann.

Denn dem einen wird durch den Geist…gegeben… (1. Kor 12:8)

Bevor ich jetzt kurz auf das Wort der Weisheit eingehe, möchte ich noch einmal klarstellen, dass es durch den Geist gegeben wird. Das bedeutet, dass es vom Heiligen Geist kommt und nicht aus uns Menschen selber, da wird mir jeder zustimmen. Das heißt aber auch, dass es nicht aus unserem Verstand, aus unseren Gefühlen oder unser Erfahrung her kommen kann. Es ist nicht von ungefähr, dass die Bibel das was wir im allgemeinen unter dem Wort Geistesgaben verstehen, mit dem Wort Gnadengaben bezeichnet. Gnade bedeutet nämlich erstens dass wir es uns nicht verdient haben, und zweitens bedeutet es, dass wir nichts dazu beigetragen haben. Wenn die Bibel von Gaben spricht, dann meint sie natürliche Begabungen, die der Mensch durch Training und Schulung erlangt hat. Spricht die Bibel dagegen von charismata, von Gnadengaben, dann schließt sie damit die natürlichen Gaben aus. Warum ist es so wichtig, hier eine Unterscheidung zu machen und warum macht die Bibel diesen Unterschied? Bei Gnadengaben, die durch den Geist gegeben werden kann der Mensch keine Ehre einstecken – es ist einfach nicht sein Verdienst, und alle Ehre gebührt Gott. Gnadengaben gibt der Heilige Geist aufgrund des Werkes, das Christus auf Golgatha vollbracht hat (Epheser 4). Sie werden vom Geist gegeben und aufgrund der Gnade empfangen, nicht aus eigenem Verdienst. Bei den natürlichen Gaben ist es sehr wohl auch des Menschen Verdienst, denn obwohl Gott ihn geschaffen hat, hat der Mensch hart trainiert oder viel gelernt, so dass er bestimmte Fähigkeiten erlangt, die er sonst nicht hätte. Die Frage nach Gottes Ehre ist aber alles entscheidend – hier versteht Gott keinen Spaß, denn er sagt in den Propheten oft, dass er seine Ehre mit niemandem teilen wird und schon gar nicht mit irgendwelchen Menschen (siehe Jesaja 42:8 + 11).

Natürliche Gaben mit Gnadengaben zu verwechseln ist daher sehr gefährlich, denn dadurch wird Gott die Ehre gestohlen, die ihm gebührt. Ich möchte hier nur an die unzähligen Beispiele aus dem Alten Testament erinnern, wo Gott es nicht zugelassen hat, dass die Menschen ihm aus eigener Kraft zu Hilfe kamen, ich denke da zum Beispiel an Mose, wo er den Ägypter erschlug um seinem Volk zu helfen, aber Gott akzeptierte diese „Hilfe“ von Mose nicht, obwohl Gott dasselbe Ziel wie Mose hatte. Ein anderes Beispiel ist Abraham, Gott hat ihm einen Sohn versprochen, und als Abraham das Warten auf diese Verheissung zu lange dauerte, wollte er Gott zu Hilfe kommen und zeugte den Sohn Ismael mit der Magd, der dann von Sara „adoptiert“ wurde. Aber Gott ließ sich auf diese natürliche Hilfe nicht ein, Abraham musste den Sohn und die Magd später fortjagen und obwohl Abraham lange die Hoffnungen hegte, dass Ismael der verheissene Sohn werden könnte, musste er ihn dann aufgeben, bevor er Isaak empfangen konnte. Isaak wurde aber erst empfangen, als der Leib Abrahams schon erstorben war, als Abraham schon zu alt war, um noch Kinder zu zeugen. Abraham konnte nichts dazu beitragen mit seinen natürlichen Fähigkeiten, dies war allein Gottes Werk. Paulus schreibt sehr ausführlich über diese Begebenheit im Galaterbrief. Wir sehen dies aber auch bei Josef, bei David und sogar bei Jesus selber, der nicht aus seiner eigenern natürlichen Kraft tat, sondern alles den Vater tun ließ. Am deutlichsten sehen wir das aber bei Paulus:

Paulus beschreibt in Philipper 3:1-8 seine natürliche Ausbildung und Begabung, er zeigt auf, dass er die anderen Gelehrten in dieser Hinsicht bei weitem übertrifft, und sagt dann: Bei meiner Ausbildung und meiner Begabung hätte ich allen Grund dazu, auf meine natürlichen Gaben zu vertrauen (Phil 3:4), und dann fügt er hinzu:

aber was mir einst Gewinn war, das habe ich um Christi Willen für Schaden erachtet (Phil 3:7)

Paulus sagt hier ganz deutlich: Meine natürliche Ausbildung, die für mich früher ein Gewinn, ein Nutzen war, die halte ich jetzt für “Schaden” oder auch “Dreck”. Jetzt wo Paulus geistliche Begabungen hat, erkennt er, wie wenig Nutzen natürliche Fähigkeiten vor Gott haben. Und um das nocheinmal mehr zu betonen sagt er in Vers 8:

ja ich achte nun auch alles für Schaden gegenüber der alles übertreffenden Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe, und ich achte es für Kot, damit ich Christus gewinne (Phil 3:8)

Verstehen wir, wie radikal die Ansichtsweise von Paulus ist? Wie können wir da predigen, dass wir unsere natürlichen Befähigungen für Gott einsetzen sollen? Wie können wir es wagen, die natürlichen Fähigkeiten den geistlichen vorzuziehen, wenn Gott uns hier durch Paulus ausrichten lässt, wie wertlos die natürlichen Befähigungen in seinen Augen sind?1 Der Teufel lacht uns aus, wenn wir seinen Mächten und Gewalten mit unseren natürlichen Fähigkeiten entgegentreten. Wie wollen wir auch nur einen Dämon austreiben mit unserem Verstand? Nicht umsonst sagt Paulus im 2. Korintherbrief das dies ein geistlicher Kampf ist, wir kämpfen nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte der Finsternis und wir kämpfen nicht mit den natürlichen Waffen, sondern mit geistlichen Waffen: Die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich… (2. Kor 10:3-5). Daher ist die Bemerkung, dass diese Gaben vom Geist gegeben werden so wichtig. Die Gnadengaben werden durch den Geist gegeben und nicht erlernt oder antrainiert. Was vom Fleisch kommt, das ist Fleisch und was vom Geist kommt, das ist Geist und damit geistlich (Joh 3:6).

4 comments

  1. Hey Bruder,

    Kannst du mir diesen Vers auslegen.
    2.Timotheus 1,6 : “Um welcher Ursache willen ich dich erinnere, die Gnadengabe Gottes anzufachen, die in dir ist durch das Auflegen meiner Hände. ”
    Hier sieht es ja so aus als ob ein Christ eine gewisse Kontrolle, auch über seine Gnadengaben hat. Paulus hat sie zuerst Timotheus übertragen und jetzt soll Timotheus sie wieder anfachen. Sowohl das eine als auch das andere ist ja ein Akt des menschlichen Willens.

    Vielen Dank

  2. Hi Helm,

    ich verstehe in diesem Kontext die Aussage von Jesus in Markus 12, 29-30 nicht: Jesus antwortete ihm: Das erste ist: “Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist ein Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft!”

    Für mich hört es sich an, als ob ich Gott mit all meinen natürlichen Fähigkeiten lieben und dienen soll. Vielleicht kannst du das etwas differentierter erläutern.

    Alles Liebe,
    Robert

  3. Hi Robert, freut mich dass du meinen Blog gefunden hast und freu mich auch über deine Kommentare. Wenn du in ein paar Tagen nochmal vorbeischaust, werde ich was dazu schreiben. heute schaff ich das nicht mehr.

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