Mein Senf zum Korintherbrief, Teil 13

…einem anderen aber Auslegung der Sprachen. (1. Kor 12:10)

Beachten wir, dass das Wort Auslegung im Singular steht, das Wort Sprachen dagegen im Plural. Mag es auch verschiedene Arten von Sprachen geben, wenn die Gabe der Auslegung in Aktion tritt, wird es eine Auslegung geben und nicht verschiedene. Die Gabe der Auslegung legt die Vermutung nahe, dass die Sprachenrede von der Art ist, dass man sie nicht versteht, denn die Art von Sprachen, die zu Pfingsten gegeben wurde bedurfte nicht der Gabe der Auslegung, jeder hat sie verstanden.

Die Auslegung einer nicht verstandenen Sprache birgt natürlich ein Risiko. Daher ist es notwendig, dass Glieder mit der Gabe der Weissagung und der Gabe der Unterscheidung (oder vielleicht auch der Gabe der Erkenntnis) vorhanden sind, die das Gesagte prüfen, bzw die nach der Auslegung zu Rate gezogen werden sollten. Gibt der Geist eine Auslegung der Sprachenrede, so ist die Sprachenrede nicht mehr ausschließlich für Gott, sondern auch ein Wort an die Gemeinde – Gott lässt die Gemeinde auf diese Art an seinen Geheimnissen teilhaben (er kann seine Geheimnisse aber auch auf eine andere Art der Gemeinde zukommen lassen, dies ist nicht die einzige Art, Geheimnisse mitzuteilen). Die Auslegung kann aber auch überführend wirken, wenn Uneinigkeit aufkommt, im 14. Kapitel erfahren wir, dass die Auslegung einer Sprache den gleichen Wert wie die Weissagung hat. Deshalb darf niemand diese Gabe gering achten, so sehr sie auch unserer rationalistisch-aufklärerischen Prägung zuwider ist.

Dieses alles wirkt ein und derselbe Geist, der einem jeden persönlich zuteilt, wie er will.
(1. Kor 12:11)

Der Heilige Geist hat die absolute Souveränität, er bestimmt, wer welche Gabe bekommt, und er bestimmt auch wann jemand diese Gabe bekommt. Das dürfen wir nicht vergessen, wenn wir nach den Gaben streben. Wir entnehmen diesem Vers wieder – wie schon in 12:7 – dass einem jeden etwas gegeben wird. Wenn wir diese Verheissung nicht hätten, könnten wir gar nicht nach den Gaben streben, denn zuerst müssen wir erfahren, ob es überhaupt Gottes Wille ist, ob wir eine Gabe bekommen. Aus den Versen 12:7 und aus diesem Vers erfahren wir, dass es tatsächlich Gottes Wille ist, dass jeder – also auch wir – persönlich eine Gabe zugeteilt bekommt. Da wir dies erkannt haben, können wir Gott im Glauben darum bitten und im gleichen Moment auch glauben, dass er unser Gebet erhört hat, denn unser Gebet war nach dem Willen Gottes und wir wissen von Gott, dass er die Gebete, die seinem Willen entsprechen, sofort erhört:

Und das ist die Freimütigkeit, die wir ihm gegenüber haben, daß, wenn wir seinem Willen gemäß um etwas bitten, er uns hört. Und wenn wir wissen, daß er uns hört, um was wir auch bitten, so wissen wir, daß wir das Erbetene haben, das wir von ihm erbeten haben. (1. Joh 5:14-15)

Wir beten darum und glauben, dass Gott unser Gebet erhört hat und wir das Erbetene schon haben. Und wenn wir in diesem Glauben ausharren, dann wird früher oder später – den Zeitpunkt bestimmen nicht wir – unsere Gabe sichtbar werden. Obwohl Gott unser Gebet in so einem Falle sofort erhört und bejaht, bedeutet die sofortige Erhörung noch nicht die sofortige Sichtbarwerdung (siehe dazu Daniel 10:12-14), die irdische Erfüllung des Gebets kann sich verzögern. Dieses Gebet des Glaubens können wir nur beten, wenn wir die Gewissheit haben, dass wir nach Gottes Willen beten, daher gibt es einige Verse in der Bibel, durch die wir in Bezug auf die Gnadengaben Gottes Willen erkennen können. Mit so einem Gebet zwingen wir den Heiligen Geist nicht, denn wir bitten ihn lediglich das zu tun, was er sowieso gerne tun möchte, die Souveränität des Heiligen Geistes wird dadurch nicht verletzt.

…wie er will (1, Kor 12:11)

diese Bemerkung weisst uns auf eine sehr wichtige Tatsache hin: Der Geist entscheidet selber, wie er die Gaben verteilt. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Heilige Geist eine Person ist, die eigene Entscheidungen trifft und einen eigenen Willen hat. Dieser eigene Wille des Heiligen Geistes steht natürlich im vollkommenen Einklang mit dem Willen Gottes und dem Willen Jesu, und aus anderen Stellen der Bibel können wir erkennen, dass sowohl Jesus als auch Gott einen eigenen Willen haben. Wir sehen weiterhin aus diesen Versen, dass der Heilige Geist gemäß seinem Willen bestimmte Dinge tut, er wirkt Wunderkräfte, er teilt Gnadengaben aus, usw. Wenige Kapitel in der Bibel zeigen so deutlich die eigenständige Persönlichkeit des Heiligen Geistes auf, wie dieses 12. Kapitel. Die Verwaltung der Auferstehungskraft Gottes (d.h. Die Verwaltung der Gnadengaben, Dienste und Kraftwirkungen) ist unter anderem die Aufgabe des Heiligen Geistes. Natürlich tut er das nicht unabhängig von Christus und dem Vater, denn die drei sind eins, aber so wie es Christus “besondere” Auftrag war, ins Fleisch zu kommen und stellvertretend zu sterben, so ist es der “besondere” Auftrag des Geistes, die Auferstehungskraft Gottes zu verwalten und auszuführen. Der Heilige Geist ist eine Person – behandeln wir Ihn auch wie eine Person? Oder behandeln wir Ihn nur als die Kraft Gottes? Die Art und Weise wie wir mit dem Heiligen Geist umgehen beweist, ob wir ihn wirklich als eine Person ehren oder ob er für uns bloß eine unpersönliche Kraft ist. Natürlich wird jeder evangelikale Freikirchler behaupten, dass er den Heiligen Geist für eine Person hält – aber unsere Beziehung zum Heiligen Geist zeigt, was er in Wirklichkeit für uns ist.

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