Mein Senf zum Korintherbrief, Teil 11

einem anderen aber Weissagung, (1. Kor 12:10)

Jetzt kommen wir zu der Gnadengabe der Weissagung, oder auch Prophetie genannt. Ich bevorzuge die Bezeichnung Weissagung, da die Menschen bei dem Wort Prophetie immer gleich an Zukunftsdeutung denken, die Gnadengabe der Weissagung beinhaltet aber viel mehr als nur das Voraussagen von zukünftigen Ereignissen. Da diese Gabe so wichtig für die Gemeinde ist, geht Paulus in Kapitel 14 noch einmal besonders auf diese Gabe ein, aus 1. Kor 14:3 wissen wir, dass die Gabe der Weissagung auch Erbauung, Ermahnung und Tröstung beinhaltet und aus 1. Kor 14:24 erfahren wir, dass auch Überführung von Sünde und Beurteilungsvermögen in dieser Gabe miteingeschlossen sind. Was ist also das eigentliche Wesen hinter der Weissagung? Was haben diese vielfältigen Beschreibungen gemeinsam, was kennzeichnet sie? Das Erfahren wir nicht von Paulus, sondern von Johannes, denn er schreibt in Offenbarung 19:10

Der Geist der Weissagung ist das Zeugnis von Jesus. (Offb 19:10)

Der Geist der Weissagung (oder Prophetie), als die Natur dieser Gabe, das was diese Gabe ausmacht, ist das Zeugnis von Jesus. Für das Wort Zeugnis steht im griechischen das Wort martyria (aus dem das Wort Martyrer entstanden ist) und es bedeutet wortwörtlich Beweis, Demonstration oder auch Zeugnis. Die Demonstration von Christus ist das eigentliche an der Weissagung – verstehen wir jetzt, warum Paulus diese Gabe für die wichtigste hält? Natürlich ist dies eine Gabe, die sich vor allem durch das gesprochene Wort äußert, deswegen haben die meisten Übersetzer das Wort Zeugnis gewählt, und gibt uns den nächsten Hinweis auf das Wesen dieser Gabe: Wenn wir etwas aussprechen, was Jesus uns bezeugt hat, dann ist das im Grunde eine Weissagung, eine Prophetie. Hat Gott uns etwas gesagt, etwas klar gemacht, und wir sprechen es vor der Gemeinde aus, so reden wir prophetisch. Dies beinhaltet natürlich auch zukünftige Ereignisse, wenn Gott uns zukünftige Ereignisse bezeugt prophezeien wir, das was kommen wird. Aber es beinhaltet viel mehr, es beinhaltet auch vergangene Ereignisse. Wir finden im Alten Testament viele Propheten, die überhaupt keine Aussagen in Bezug auf zukünftige Dinge geben, sondern die über vergangene Ereignisse reden: Der Prophet Nathan kommt zu David, und spricht mit ihm über seine Sünde, etwas, was schon ungefähr ein Jahr zurückliegt (denn das Kind ist bereits geboren und David mit Bathseba verheiratet) und als Folge dessen wird David von seiner Sünde überführt und tut Buße und das Kind stirbt. Der Prophet Elia spricht dagegen oft über die Gegenwart, er erklärt dem Volk Israel und dem König Ahab, was Gott über sein Handeln denkt, ebenso Maleachi. Andere Propheten wie Jesaja sprechen größtenteils – aber nicht ausschließlich – über zukünftige Ereignisse. Alle Propheten haben eins gemeinsam: Sie wollen das Volk von seiner Sünde überführen und zur Buße bewegen, das Ziel der Weissagung ist die Korrektur, die Umkehr zu Gott, die erneute Ausrichtung des Herzens, die Buße. Dies stimmt hundertprozentig mit den Beschreibungen überein, die Paulus über diese Gabe in 1. Kor 14 gibt, und mit diesem Blick verstehen wir, warum diese Gabe so immens wichtig ist, denn das Volk Gottes bedarf ständiger Korrektur, das ist heute genauso wie zur Zeit des Alten Bundes. Kann eine Gemeinde ohne diese Gabe wirklich dauerhaft eine Gemeinde nach dem Herzen Gottes sein? Auf diese Frage werde ich später noch eingehen. Das Übernatürliche an dieser Gabe ist eigentlich nicht so sehr das Wissen über verborgene Dinge (das ist nur dann der Fall, wenn die Weissagung zukünftiges beinhaltet), sondern das hinter den Worten eine unerklärliche Kraft steckt, die von den Hörern eine Entscheidung verlangt: Entweder sie nehmen das Wort an, tun Buße und werden von Gott gesegnet, oder sie lehnen es ab und infolgedessen wird ihr Herz verhärtet und sie kommen unter das Gericht oder die Züchtigung Gottes. Daher sind Propheten auch die Diener Gottes, die täglich mit Widerstand seitens der Hörer leben müssen (es sei denn, sie prophezeien das, wonach den Leuten die Ohren jucken, aber das tun eigentlich nur extremcharismatische Word-Of-Faith Propheten, die Propheten im AT haben das niemals getan). Wir sehen aus der Bibel, dass Propheten die am meistgehasstesten Personen waren. Im Gegensatz dazu sind die meisten sogenannten Propheten aus der charismatischen Bewegung nichts anderes als christliche “Stars”, die vom Volk Gottes bejubelt werden und als eine Art Orakel missbraucht werden.

6 comments

Hi Helm,

bin über Umwege auf dein Blog gekommen. Freut mich, hier wieder mehr von dir zu hören und mit dir gemeinsam das Reich Gottes zu bauen.

Ich würde gerne zwei Kommentare hinterlassen.

Zum einen ist es doch genauso übernatürlich, wenn man etwas Verborgenes über die Vergangenheit offenbart (Nathan – David) wie über zukünftiges. Verborgenes zu erfaheren ist in meinen Augen immer übernatürlich, ob es in der Zukunft oder in der Vergangenheit liegt. Nur nebenbei bemerkt.

Was mich aber stört ist, dass du die Propheten in eine Märtyrer-Rolle drängst. Erinnert mich an den Satz: “Wenn du nicht verfolgt wirst, bist du kein echter Christ.”

1. Es gab im AT genug Propheten, die von dem Volk geliebt uns als “Stars” verehrt wurden, z.B. die Richterin Debora, Samuel, Elisa und selbst Natan wurde wegen seiner äußerst unangenehmen Weissagung nicht gehaßt. Und der größte aller Propheten wird immer noch als “Superstar” gesehen: Mose. Ob jetzt mehr Propheten gehaßt oder mehr geliebt wurden, weis ich nicht.

2. Die Propheten wurden von Menschen gehaßt, die sich (meist bewußt) von Gott abgewendet hatten. Meistens waren es dann auch hohe Machthaber in politischen oder religiösen Ämtern. Wenn du in der Gemeinde weissagst, wird (oder sollte) sich die Gemeide über das Reden Gottes freuen, denn du sprichst zu Menschen, die sich von Gott leiten lassen (wollen) – im Normalfall. Natürlich muss auch jede Weissagung geprüft werden. Also die Formel “mit Freuden angenommene Weissagung = falsche Weissagung” und “abgelehnte Weissagung = echte Weissagung” paßt nicht.

3. Nach deiner Definition “Wenn wir etwas aussprechen, was Jesus uns bezeugt hat, dann ist das im Grunde eine Weissagung, eine Prophetie. Hat Gott uns etwas gesagt, etwas klar gemacht, und wir sprechen es vor der Gemeinde aus, so reden wir prophetisch.” sind auch alle Lehrer Propheten und müßten ebenso gehaßt sein.

Also ich denke, dass Prophteten in der Geimeinde Gottes sehr angesehene Menschen sind. Nicht weil sie den Leuten nach dem Mund reden, sondern weil Gott sich durch sie offenart. Es gibt aber auch genug falsche Propheten, da gebe ich dir Recht.

Alles Liebe und Gott segne Euch

Robert

p.s.: Eifert aber um die größeren Gnadengaben! Und einen Weg noch weit darüber hinaus zeige ich euch…

Diese Formeln (prophet = gehasst) wollte ich so nicht aufstellen, tut mir leid, wenn das so rüberkommt. Natürlich wird ein Prophet von einem Mann Gottes geachtet, aber von der Welt, weltlichen Christen usw gehasst. Ich habe es deshalb so geschrieben, weil die große Masse leider nicht mit Gott lebt (auch die meisten Christen nicht) und wenn dann ein Prophet kommt und sie auf ihren Lebenswandel aufmerksam macht, dann werden die meisten sich von diesem Propheten abkehren. Das ist natürlich zum Glück nicht imer der Fall, Nathan, Samuel usw sind hier gute Beispiele.

Die Botschaft des Propheten ist jedoch fast immer Korrektur (=ausrichtung des Herzens auf Gott) und das wird nunmal von den meissten Menschen (natürlich nicht von allen) nicht angenommen.

Mit dem Lehrer ist es natürlich ähnlich, allerdings habendie Worte eines Lehrers oft nicht diese Kraft, die die Menschen vor eine unmittelbare Entscheidung stellt. Als Stephanus zu dem VOlk predigt, da hat er sie auch belehrt, allerdings hatten seine Worte so eine Kraft, dass die Zuhörer nur zwei Dinge tun konnten: entweder Christus als Sohn Gottes annehmen oder halt Stephanus aus der Welt schaffen…das war nicht einfach nur eine Lehrpredigt, die Stephanus da gehalten hat.

Grundsätzlich wird früher oder später jeder Christ diesem hass begegnen, je näher wir auf das ende dieser Welt zugehen, umso mehr wird der Antichrist seine Wut entfesseln, und früher oder später (in einigen Ländern früher…siehe Open Doors…) wird jeder Christ sich entscheiden müssen, ob er den radikalen Weg geht, oder ob er mit diesem Weltsystem Kompromisse schließt um seine Haut zu retten.

Ich kann mir auch vorstellen hier im Westen zu meinen Lebzeiten noch Verfolgungen zu erfahren. Das wird dann aber alle bekennenden Christen treffen und nicht nur die Propheten.

Ich mag halt das Bild nicht, dass ein Propheten generell von allen missachtet wird. Er wird in seinem Dienst beide Seiten erfahren, Annahme und Ablehnung (wie alle die unserem Herrn dienen). Und in der Gemeinde Gottes wird er, nach meiner Meinung, eher geachtet und respektiert werden, kommt natürlich auf die Gemeinde(leitung) an. Ich denke es hat tatsächlich viel mit den Leitern (einer Gemeinde oder auch eines Landes) zu tun, ob die Botschaft Gottes angenommen wird. Stephanus stand bei dem Volk sicher in hoher Gunst, weil Gott durch ihn große Zeichen und Wunder unter dem Volk tat. Es waren wieder die Machthaber (Hoher Rat), die ihn umbrachten und sich Gott widersetzten.

Ich gebe dir auf jeden Fall recht, dass der Prophet aufgrund seines öffentlichen Dienstes schneller und häufiger auf Widerstand trifft, als z.B. ein Lobpreisleiter.

Sei gesegnet, lieber Helm!
Robert

Der Lobpreisleiter kriegt nur in Konsi-gemeinden Widerstand ;-)

:D

Welche geistliche Gabe sollte man denn als Lobpreisleiter haben?
Vielleicht die der Wundertaten? Denn als Jesus und die Apostel die Wunder Gottes taten erfüllte eine große Ehrfurcht die Menschen und sie lobten Gott aus freien Stücken. ;-)

Das wäre mal nicht schlecht – dann wäre die Zahl der Lobrpeisleiter auch nicht so inflationär… ;-)

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