Fragen zum Senf

In der Disskussion über meinen Senf zum Korintherbrief wurde eine sehr gute Frage gestellt, die ich hier beantworten möchte. Die Frage bezieht sich auf den den Senf Teil7 und lautet:

>>Ich verstehe in diesem Kontext die Aussage von Jesus in Markus 12:29-30 nicht: Jesus antwortete ihm: Das erste ist: “Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist ein Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft!

Für mich hört es sich an, als ob ich Gott mit all meinen natürlichen Fähigkeiten lieben und dienen soll. Vielleicht kannst du das etwas differentierter erläutern.<<

Diese Stellen scheinen auf den ersten Blick betrachtet nicht zusammenzupassen, aber in Wirklichkeit widersprechen sie sich überhaupt nicht. Wenn wir über Gnadengaben und natürliche Gaben reden, dann bezieht sich das immer auf den Dienst für Gott, auf das was wir für Gott tun. Die oben zitierten Verse beziehen sich aber nicht auf den Dienst, sondern auf das Leben; diese Verse sprechen von unserer Beziehung zu Gott.

Wenn es um den geistlichen Dienst geht, dann sind unsere natürlichen Fähigkeiten in den meisten Fällen absolut wertlos. Wir müssen uns nämlich vergegenwärtigen, dass wir, wenn wir Gottes Auftrag erfüllen, immer auf Konfrontationskurs mit den dämonischen Mächten und Gewalten gehen, und dies ist ein geistlicher Kampf, der mit geistlichen Waffen ausgefochten wird.

Wenn es aber um unser Leben geht, dann steht da geschrieben: lieben aus deinem ganzen Herzen…deiner ganzen Seele…deiner ganzen Kraft (Markus 12:29-30). Hier steht also klar und deutlich, dass der Mensch ebenfalls etwas zu tun hat und keineswegs passiv sein kann. Allerdings ist dieses „Werk“ das der Mensch tut (nämlich Gott lieben mit Herz, Seele und Kraft) nicht ein Werk mit dem er sich die Gnade verdienen kann, denn jeder Mensch, der versucht Gott von ganzem Herzen zu lieben, der wird früher oder später – je nachdem wie ehrlich sein Herz ist – bekennen müssen, das er Gott nicht so lieben kann wie er es eigentlich sollte. Wir werden in diesem Gebot (und auch in allen anderen Geboten des göttlichen Gesetzes) dazu aufgefordert, etwas zu tun, wozu wir nicht in der Lage sind. [Dieses Gebot verfolgt das Volk Israel seit Beginn der Gesetzgebung auf dem Sinai. Allein in Deuteronomium, wo Moses vor seinem Abgang das Volk nocheinmal an die wichtigsten Dinge erinnert, wird dieses Gebot mehr als fünfmal wiederholt. Und Jesus stellt das Gebot hier wiederum auf, um zu zeigen, dass er nicht gekommen ist, um das Gesetz abzuschaffen, sondern zu erfüllen.]

Will Gott uns hier reinlegen, indem er uns zu etwas auffordert, was wir nicht tun können? Nein, das entspricht nicht Gottes Charakter. Der entscheidende Punkt an dieser Aufforderung ist der: Wenn wir diesem Gebot nachkommen, und merken wir schaffen es nicht selber, dann werden wir früher oder später bemerken, dass wir absolut unfähig sind, Gott zu lieben, und unsere Unfähigkeit wird uns zur Buße treiben, und diese Buße ist das, was Gott von Anfang an mit diesem Gebot (und damit auch dem ganzen Gesetz) beabsichtigt hat: Diese Buße öffnet die Tür für die Gnade, für den Heiligen Geist, für das eigentliche Leben mit Gott.

Deswegen nimmt Gott die harte Forderung des Gesetzes auch nicht zurück, und wir werden unter der Forderung des Gesetzes zermalmt bis wir zur Erkenntnis unserer Unfähigkeit kommen, und damit unter die Gnade und in die Beziehung zu Christus, wodurch wir dann befähigt werden, dass Gesetz zu erfüllen. Dies beschränkt sich nicht nur auf die Bekehrung und Wiedergeburt, es zieht sich durch das gesamte Leben hindurch, auf viele Bereiche und Aspekte unseres Lebens (…das Gesetz ist ein Zuchtmeister auf Christus – das heisst auch: auf das ständige Leben mit Christus)
Gott muss uns auch aus einem anderen Grund auffordern, unsere Kraft einzusetzen, denn es ist notwendig, dass wir aus freiem Willen zu ihm kommen. Daher ist die Aufforderung, ihn mit unserer eigenen Kraft zu lieben, auch immer eine Aufforderung, dass wir uns Ihm aus freiem Willen nähern. Gerade bei der Wiedergeburt wird das sehr deutlich, die Bibel sagt uns, dass der errettende Glaube ein Geschenk Gottes ist, gleichzeitig gibt es aber verschiedene Stellen, wo der Mensch aufgefordert wird, an Gott zu glauben, damit er gerettet wird. Es sind immer diese beiden Seiten dabei, Gott macht den ersten Schritt, er ist willig, den Menschen zu retten, und bereit ihm den errettenden Glauben zu schenken, aber der Mensch muss ehrlich und aus freien Stücken zu ihm kommen. Es läuft Hand in Hand. Daher widerspricht sich diese Aufforderung Gott aus eigener Kraft zu lieben nicht mit der Aussage von Paulus, dass er all seine natürlichen Befähigungen für Dreck erachtet und sie verwirft.

So das ist jetzt nicht systematisch, ich habe keine Zeit, meine Gedanken zu ordnen, habe nur schnell heruntergeschrieben, aber ich hoffe es gibt ein wenig Klarheit auf diesen Aspekt. Ich finde die Frage gut, denn viele gleiten hier von einem extrem in das andere, weil sie diese Bereiche verwechseln. Wenn man die überwältigende Erkenntnis bekommt, dass man nichts aus eigener Kraft vermag, dann ist man in der Tat überwältigt, und man hört auf mit seinen eigenen Fähigkeiten auf und wartet darauf, dass Gott etwas tut. Gott wird aber niemals gegen unseren Willen oder ohne unsere Bereitschaft etwas mit uns tun. Wir denken da oft, dass wenn etwas nicht geschieht, es nicht Gottes Wille war – meistens ist es jedoch so, dass Gott eine Sache viel mehr möchte als wir, aber unsere Bereitschaft ist nicht vorhanden, aus welchen Gründen auch immer und so wartet er auf uns (und wir glauben, wir warten auf ihn…). Daher ist es wichtig, diese Prinzipien zu kennen, damit wir vor Passivität bewahrt bleiben, andererseits aber auch nicht in die Versuchung kommen, das Reich Gottes mit unseren eigenen Ideen und unserer eigenen Kraft zu bauen.

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