Leben ist tragisch!

„Die Grundlage des menschlichen Lebens ist tragisch“ –Oswald Chambers

Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich die Tragweite dieser Aussage und auch ihren Wahrheitsgehalt begriffen habe. Aber diese Behauptung kann unsere Sicht auf die Welt komplett verändern und die Beschäftigung mit dieser Aussage (und überhaupt mit Tragik, Leid, Versagen, Enttäuschung) bringt uns zur Wahrheit über die Welt in der wir leben und über uns selbst.

Wenn ich dieser Aussage, dass das Leben an und für sich tragisch ist, zustimme, werde ich dann nicht depressiv oder zynisch? Oder werde ich ein Hedonist und lebe nach dem Motte Sex, Drugs, Rock’n’roll, denn morgen sind wir eh alle tot? Einige haben diese Schlussfolgerung gezogen, aber wir finden in der Bibel einen anderen, besseren Weg, der alles auf den Kopf stellt. Davon handelt meine Predigt, die ihr hier herunterladen könnt:

+ H. Richert – Leben ist tragisch! (Christusgemeinde Bielefeld)

Diese Predigt soll der Beginn einer Reihe sein, in der es darum geht, wie wir als Christen mit Leid, Versagen, Enttäuschungen und unseren Begrenzungen umgehen. Gerade im Christentum sind Versagen, Schwachheit und Leid zentral, aber oft haben wir nur Floskeln anzubieten und wissen nicht, wir mit diesen Dingen umgehen sollen, wenn wir mit ihnen konfrontiert werden.

“Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden!” – Psalm 90:12

Zusätzlich zur Predigt biete ich auch noch die Präsentation zur Predigt an, mit allen Notizen. Unter folgendem Link könnt ihr sie als PDF-Datei herunterladen:

+ Predigtskript / Präsentation – Leben ist tragisch (H. Richert | Christusgemeinde Bielefeld)

„Das Große, wenn man es schafft, besteht darin, all die unangenehmen Dinge nicht mehr als Unterbrechungen des eigentlichen Lebens zu betrachten.

Die Wahrheit lautet vielmehr, dass gerade das, was wir Unterbrechungen nennen, das wahre Leben ist, das Leben, das Gott uns Tag für Tag schenkt.“ –C. S. Lewis

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Völkerwanderung – History repeats itself

Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt vergleicht die aktuelle Krise mit dem römischen Reich und der Zeit der Völkerwanderung. Er hat einen sehr nüchternen Ansatz, der mir sehr zusagt und den ich meinen Lesern nicht enthalten möchte: Er blendet die Fakten der Realität nicht aus, verkürzt auch nicht und meidet auch die Romantisierung.

nonbiblipedia

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Der hohle Mensch

Der moderne Mensch und ganz besonders auch der moderne (evangelikale) Christ ist meistens ein “hohler Mensch”, so wie Thomas Merton es beschreibt:

Ich liebe es, dieses falsche Ich zu verhüllen. (…) und ich hülle mich mit Vergnügen und Wonne in Erfahrungen wie in Verbände, um mich für mich selbst und für andere sichtbar zu machen, ganz so als wäre ich ein unsichtbarer Körper, der nur sichtbar werden kann, wenn etwas Sichtbares seine Oberfläche bedeckt. Doch unter den Dingen, in die ich mich hülle, ist keine Substanz. Ich bin hohl (…) Und wenn sie weg sind, bleibt nichts von mir übrig als Nacktheit und hohle Leere –Thomas Merton, New Seeds of Contemplation

Die einen hüllen sich in ihr Tun, Arbeit, Status und Identität und der Christ hüllt sich in seine Lehre, in seine “geistlichen Erfahrungen” und in seinen geistlichen Dienst. So ist beim Christen die Täuschung subtiler: Wir hüllen uns in etwas an sich Gutes, aber wenn wir es als Verkleidung benutzen, um unsere innere Leere damit einzukleiden, ist es umso gefährlicher.

Wenn ich Jesus begegne, werde ich erkannt, wie er mich erkannt hat: “Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.” (1. Kor 13:12). Das ist auch der Grund, warum so viele Menschen letztendlich Angst haben, stille zu werden und Gott nahe zu kommen: Wir erkennen, dass wir “arm, blind und bloß” sind (Offb 3:17) und Gott ist der, der die Herzen prüft (Sprüche 21:2).

Peter Scazzero vergleicht unser Leben mit einem Eisberg: Ein kleiner Teil ist sichtbar, der größte Teil ist jedoch unsichtbar. Das Hauptproblem mit dem heutigen Christentum ist, dass es nur den sichtbaren Teil des Eisbergs (unserer Seele) berührt (Peter Scazzero, Glaubensriesen – Seelenzwerge). William Lane Craig behauptet im folgenden Zitat dasselbe:

The problem, says Wells, is that while evangelicals have for the most part correct Christian beliefs, for far too many these beliefs lie largely at the periphery of their existence rather than at the center of their identity. At core they are hollow men, empty selves. –William Lane Craig, Philosophical Foundations of a Christian Worldview

Für müssen bei uns anfangen und brauchen eine “Ent-täuschung” (Bonhoeffer) über uns selber, eine Befreiung von jeder Selbsttäuschung. Jedes Mal wenn du dich innerlich fragst: “Wie konnte ich sowas nur tun?” beweist, dass du dich selber noch nicht tief genug kennst und dass dein Bild über dich selbst nicht mit Gottes Realität übereinstimmt.

“Die meisten von uns fallen ins Grab, ohne erfahren zu haben, wer sie sind” –Peter Scazzero

In der Nähe Gottes werden wir “erkannt” und erkennen uns selber. Wir können dies nicht alleine machen, das führt lediglich zur extrem ungesunden Selbstbespiegelung, ein Kreislauf des ständigen sich-um-sich-selbst-drehens, wobei mit jeder Drehung die Scham, Anklage und Schuld zunimmt. In Gottes Gegenwart ist es anders: Wir erkennen einerseits unsere Substanzlosigkeit, gleichzeitig aber auch seine Annahme und Geborgenheit.

Lass mich, Herr, mich selbst erkennen, auf dass ich Dich erkenne! –Augustinus

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Der Hunger der Seele nach Schönheit

Warum kaufen Menschen Produkte, die nicht wirklich praktisch sind, aber dafür schön aussehen? Warum haben Menschen, die auf ihre Kleidung achten, immer einen Vorteil gegenüber Menschen, die nicht darauf achten?

Warum hat Gott uns nicht nur praktische Dinge gegeben wie Kartoffeln, Gurken und Tomaten, sondern auch so “unpraktische Dinge” wie Sonnenuntergänge in den schönsten Farben oder Pflanzen, die keine andere Funktion haben als einfach nur schön zu sein?

Die Antwort, die ich auf diese Fragen bekommen habe, ist diese: So wie der Körper des Menschen Bedürfnisse hat (Nahrung, Wärme, usw), so hat auch die Seele des Menschen Bedürfnisse, und zwar nach “Schönheit”. Menschen, die “unpraktische Dinge” wie Lyrik, Gemälde, Lieder, schön gestaltete/eingerichtete Häuser/Wohnungen verachten, die verneinen der menschlichen Seele dieses Bedürfnis, welches Gott ihr eingegeben hat. Dieser Hunger nach Schönheit (welche für die Bedürfnisse des sichtbaren Menschen nutzlos ist), ist ein Teil der Ewigkeit, die Gott in das Herz eines jeden Menschen gelegt hat.

Menschen die eine utilitaristische oder radikal pragmatische Haltung haben, werden eine Seele mit Mangelerscheinungen bekommen. Sie sind gefangen in der materialistischen Denkweise unserer Zeit. Der Hunger unserer Seele nach Schönheit ist ein Zeichen, dass wir uns nach etwas Unsichtbarem sehnen und dass es mehr geben muss, als die Versorgung rein praktischer Bedürfnisse.

“Wenn eine Gesellschaft Gott nicht anerkennen kann, dann ist sie immer noch auf der Suche nach dem Schönen!”
–Fjodor Dostojewski

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Das Zeitalter der Anti-Aufklärung

Wir leben im Zeitalter der Anti-Aufklärung. Bestes Beispiel ist ein Artikel aus der New York Times, wo sie einen Nazi interviewen, einen “Abgehängten aus dem Heartland”, also dem Herzensland der Trump-Wähler. Natürlich ist die Times politisch korrekt geblieben und hat den Nazi auch dementsprechend verbal gekennzeichnet, die Abgrenzung ist den ganzen Artikel hindurch ohne Zweifel, der Nazi wird als böse dargestellt:

We described Mr. Hovater as a bigot, a Nazi sympathizer who posted images on Facebook of a Nazi-like America full of happy white people and swastikas everywhere.

Sich so einen Typen mal aus der Nähe anzuschauen ist eigentlich nicht die schlechteste Idee, wenn man verstehen möchte, warum Trump die Wahlen gewonnen hat und welche Typen ihn da gewählt haben, vor allem angesichts des peinlichen realitätsfernen Wahlkampfes, den Hillary und ihr Team geführt haben (mit völlig abwegigen Fantasiequoten aus dem Demokratenfantasieland). Die Amis wollen ja ihr eigenes Land verstehen, also klärt die New York Times auf, was für zwielichte Typen in diesem Land existieren.

Allerdings bekam die ehrwürdige New York Times wegen dieses Artikels so einen Shitstorm, dass sie sich gezwungen sahen, einen Antwortartikel an ihre Leser zu verfassen. Die Begründung für den Shitstorm:

“Die New York Times würde durch ihre Berichterstattung den Nazi normalisieren, sie solle lieber gar nicht über solche Leute berichten”

Das ist nichts anderes als Anti-Aufklärung! Anstatt uns mit der (zugegebenermaßen traurigen) Realität auseinanderzusetzen, tun wir so, als ob es sie gar nicht gäbe! Man weicht der Realität aus, man fürchtet, die eigene Komfortfilterblase würde platzen, lieber den Kopf in den Sand stecken! Das ist die perfekte Anleitung, um der Realität zu entfliehen und in einer Fantasiewelt zu leben – dann muss man sich auch nicht wundern, dass jemand wie Trump die Wahl gewinnt.

Für mich ist das eins von vielen Indizien dafür, dass wir zunehmend in eine Fake-Welt abgleiten, dass wir die Köpfe vielleicht nicht in den Sand stecken, aber dafür in unsere virtuelle, diskriminationsfreie Safespacewelt, wo alle Menschen gleich sind und jeder zu jedem immer nur nett ist.

Mir ist die Realität lieber und ich werde mich ihr bewusst aussetzen, mit allen ihren Schattenseiten. Wir glauben anscheinend wirklich, dass wir durch Sprache (Schreiben, Sprechen, …) Realitäten schaffen und zum Teil passiert das auch. Aber viele dieser erschaffenen Realitäten sind Traumwelten und Fantasieblasen, die alle platzen werden, wenn sie auf die Wahrheit stoßen.

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Ultimative Realität & Substanz

“Nun, da sie [die anderen Personen] im Licht standen, waren sie durchsichtig. (…) Sie waren in der Tat Schatten, menschgestaltete Flecken auf der Helligkeit der Luft. (…) Ich bemerkte, dass die Grashalme unter ihnen nicht nachgaben: Nicht einmal die Tautropfen ließen sich stören.”[1]

In dem Buch “Die große Scheidung” beschreibt C.S.Lewis die jenseitige Welt als eine Welt, die viel realer ist, als die “reale” diesseitige Welt. Die jenseitige Welt ist so real, dass alles diesseitige im Vergleich “unwirklich” und “wie ein Schatten” vorkommt. Ich finde diesen Gedanken mehr und mehr in der Bibel und vor allem im Neuen Testament wieder: Gott ist die ultimative Realität, Gottes Gegenwart in der “jenseitigen Welt” lässt unsere Welt wie ein “Abziehbild” oder wie ein “Schatten des Wirklichen” erscheinen.

“Dann fand eine geistige Anpassung oder eine Neueinstellung der Augen statt, und ich sah das ganze Phänomen in der Umkehrung. Die Menschen waren, wie sie immer gewesen sind, vielleicht wie alle Menschen, die ich gekannt habe, gewesen sind. Nun war es das Licht, das Gras, die Bäume, die anders waren; aus irgendeinem anderen Stoff gemacht, so viel fester als die Dinge in unserm Land, dass im Vergleich dazu die Menschen Schatten waren.”[1]

Gott ist ultimative Realität, ultimative Bedeutung, Sinn, Prägnanz, Authentizität, Realität, Wahrheit, Sein, das Echte, Substanz – und der Teufel, der eben nicht der duale Gegenspieler ist, sondern nur Parasit, der genauso auf Gottes ultimative Existenz angewiesen ist und von dieser zehrt (diese aber gleichzeitig pervertiert), ist und steht für das Gegenteil: Sinnlosigkeit, Nihilismus, Banalität, Unwirklichkeit, Schein (statt Sein), Schatten, Bedeutungslosigkeit, Substanzlosigkeit.

Analog dazu ist die Kirche dazu berufen “das Fundament und die Säule der Wahrheit” (1. Timotheus 3:15) zu sein – inmitten einer Welt, die zunehmend unrealer, unwirklicher, mehr und mehr “fake” ist und wo der “Schein” mehr zählt als das “Sein”. Dies fängt bei uns an, indem wir schonungslos ehrlich zu uns selbst sind, unsere Schwachheiten nicht mehr verheimlichen, sondern wie König David Lieder über unsere Sünden und unser Versagen schreiben.

Wenn wir Christen uns in diese Richtung bewegen und aufhören, den eigenen Dreck unter den Teppich zu kehren, dann werden wir in dieser diesseitigen Scheinwelt ein umso helleres Licht sein. Dies ist die Realität, die gerade der evangelikalen Bewegung größtenteils völlig abhanden gekommen ist (und die sich dann nicht wundern muss, dass mehr und mehr ihrer eigenen Kinder ihr den Rücken kehren und ihre Sinnsuche woanders fortsetzen).

“Denn Abraham wartete auf die Stadt, welche feste Fundamente hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist” – Hebräer 11:10

Zitiert aus: 
1) Die große Scheidung, C.S.Lewis, S.31
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The Lack of Reality in Evangelicals

The evangelical movement in my opinion is in a big crisis, caused by oversimplifying, shallow theology and by a lack of reality.

The crucial question is: Did I encounter Gods ultimate reality? Where did the reality of God come into my life? In which parts of my life did I make a transcendend experience that formed my faith in God?

In recent times more and more people have such experiences outside of the church, but the church is the agency that should provide the possibility for such encounters and the place where these experiences should happen. More and more people encounter Gods reality in music, in art or other areas of their life. Sadly they immediately start doubting the usefulness of the church, cause they connect the failure of mankind with the church.

The church has to come out of its fantasyworld and ask itself: How is it possible, that more people are connecting with God outside of the church than inside?

If you haven’t encountered the reality of God, than sooner or later you probably will abandon your faith in God. The question is not wether you name yourself „evangelical“, „liberal“, „reformed“, „conservative“ or any other nametag, the ringing question that everyone has to answer is:

Have you encountered Christ, who is the ultimate reality of all spiritual things?

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Gottes Realität und die evangelikale Krise

Die evangelikale Bewegung steckt meiner Meinung nach in einer großen Krise. Sie ist größtenteils übersimplifizierend, nicht sehr tiefgehend und es mangelt an geistlicher Wirklichkeit/Realität.

Die entscheidende Frage ist: Wo bin ich der Realität Gottes begegnet? Wo bin ich mit Gottes Wirklichkeit in Kontakt getreten? In welchen Bereichen meines Lebens habe ich eine transzendente Erfahrung gemacht, die mich letztendlich so geprägt hat, dass ich an Gott glaube?

Manche machen diese Erfahrung nicht in der Kirche, die eigentlich den Raum für solche Erfahrungen schaffen sollte, sondern sie begegnen der Realität Gottes in der Musik, in der Kunst oder in anderen Bereichen ihres Lebens. Leider ist es oft die logische Folge, dass bei Menschen, die Gott außerhalb der Kirche begegnen, sofort die Kirche als Ganzes in ihrer Sinnhaftigkeit hinterfragt wird und das Versagen der Menschen mit der Existenz der Kirche untrennbar vereint wird.

Hier muss die Kirche sich an die Nase packen und sich fragen, wie es sein kann, dass die Menschen außerhalb mehr transzendente Erfahrungen machen als innerhalb?

Wenn Du der Realität Gottes nicht begegnet bist, dann wirst du früher oder später deinen Glauben an den Nagel hängen. Die entscheidende Frage ist nicht, ob du dich “evangelikal”, “evangelisch”, “liberal”, “konservativ”, oder sonstwie nennst, sondern die entscheidende Frage ist: Bist du Christus begegnet, der die ultimative Realität aller geistlichen Dinge ist?

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Zombies, Veganer, Zeit und Ewigkeit

“Till now it was believed that time and space existed by themselves, even if there was nothing else—no sun, no earth, no stars—while now we know that time and space are not the vessel for the universe, but could not exist at all if there were no contents, namely, no sun, earth and other celestial bodies." - Einstein, in "The Einstein Theory Of Relativity" by H.A. Lorentz

Eine Predigt über Zeit, Raum, Ewigkeit, Verschwörungstheorien, Zombies, Veganer und Sekten. Keine Angst, ohne Physik- und Matheformeln (aber mit obigem Zitat von Einstein & Lorentz)! Wie bringt man alle diese Themen zusammen in 40 Minuten? Dazu reicht ein einziger Bibelvers, überhaupt kein Problem, aber den Vers verrate ich hier nicht, und das obige Zitat ist auch nicht zentral für die Predigt. Also, wenn Du wirklich wissen willst, was Zombies und Veganer mit der Ewigkeit zu tun haben, musst du dir die Predigt wohl oder übel anhören.

Hier der Download-Link zur Predigt:
+ Download Zombies, Veganer, Zeit und Ewigkeit

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Wie man als Christ seinen Verstand benutzt, Teil 3 – Ein anderes Erbe

In den ersten beiden Teilen (Teil 1 + Teil 2) habe ich die These aufgestellt, dass wir in Deutschland viel zu viel abkupfern und uns vom evangelikalen Christentum in den USA viel zu sehr beeinflussen4 und beeindrucken lassen. Jedes Land muss seine eigene Identität und Ausprägung im Leib Christi entwickeln, denn jedes Land kann bestimmte Aspekte von Gottes Charakter besser zum Vorschein bringen als andere.

Die Kirche in Deutschland hat (verständlicherweise) einen gewaltigen Minderwertigkeitskomplex, der unsere bisherige Haltung, alles Erfolgreiche aus den Staaten zu kopieren, nur noch bestärkt. Ich möchte kurz zeigen, warum es besonders fatal ist, wenn wir uns nur das Christentum in den USA zum Vorbild machen. Es ist zunächst verständlich, denn oberflächlich denken wir ziemlich ähnlich, auch in den meisten Werten und Prinzipien stimmen wir überein. Aber es gibt einen gewaltigen Unterschied, der jedem europäischen Christen bewusst sein sollte, wenn wieder die nächste Mode aus den Staaten zu uns herüber schwappt.

Obwohl das christliche Erbe der USA auf die Puritaner zurückzuführen ist, die überhaupt nicht antiintellektuell geprägt waren (sie haben einige der wichtigsten Hochschulen und Universitäten gegründet), ist das Christentum in den Staaten hauptsächlich antiintellektuell geprägt. Das hat zum großen Teil einfach historische Gründe: gewaltiger Braindrain nach der Revolution, methodistische Wanderprediger5), die Heiligungsbewegung, die Entstehung der Pfingstbewegung (deren Theologie in vielen Teilen mit der Heiligungsbewegung identisch ist) und die Gründung von christlichen Hochschulen, deren alleiniger Zweck die Indoktrinierung war6.

Der erste Schock war, dass ursprünglich christliche Institutionen wie die Harvard-Universität von Deisten übernommen wurde und die evangelikalen Christen diesen Sektor Stück für Stück aufgaben. Die Lehren der Absonderung von der Welt und die Verachtung von allem, was nicht direkt mit Heiligung zu tun hatte, haben dies noch verstärkt, aber einer der größten Faktoren diesbezüglich war die Entstehung der Pfingstbewegung. Gerade unter den Leitern der Pfingstbewegung hatten viele einen Mangel an Bildung (auch weil sie in größter Armut lebten und es sich einfach nicht leisten konnten). Zudem sahen die frühen Pfingstler die Erfahrung der “Taufe mit dem Heiligen Geist” als Abkürzung: Wozu lernen, studieren und Bücher lesen, wenn man durch das Wort der Erkenntnis doch in Sekundenbruchteilen zu der richtigen Antwort kommen kann? Viele Leiter sprachen sich zudem öffentlich gegen Bildung aus (das ist doch Zeitverschwendung, wenn Jesus sowieso bald wiederkommt…), was einen verheerenden Schaden anrichtete7.)

Als die Pfingstbewegung einigermaßen etabliert war, gründeten sie “Colleges”, deren Niveau erschreckend niedrig war, denn es ging vordergründig nur um das heranziehen eigener Kader und um die geistliche Entwicklung der Studenten. Aber nicht nur die Pfingstler, auch andere christliche Richtungen sind erstaunlich antiintellektuell eingestellt.

Die Antiintellektualität ist nicht nur unter Christen vorherrschend, auch bei vielen nichtchristlichen Amerikanern ist sie “normal” geworden. Ein Politiker brachte als Argument gegen den Klimawandel einen Schnellball mit zur Sitzung – in Europa lachen wir über sowas, aber für viele Amerikaner war das ein absolut ausreichende Begründung.

Die amerikanische Antiintellektualität hat aber auch Vorteile: Das Christentum ist bei weitem nicht so verkopft und theoretisch wie bei uns, Entscheidungsfreudigkeit ohne den Zwang alles zwei- und dreimal zu überdenken hat eine weltweit einmalige Unternehmenskultur hervorgebracht, Leiter sind mutiger und risikofreudiger, können mit Rückschlägen besser umgehen (weil sie mehr davon erleben) und sind ingesamt viel optimistischer als bei uns. Sie haben meiner Meinung nach auch eine besser entwickelte Fehlerkultur als wir. Warum sage ich das? Bei solchen Artikeln kann leicht der Eindruck entstehen, dass ich hier ein USA-Bashing betreibe, was ich ausdrücklich nicht möchte. Ich möchte die Unterschiede aufzeigen, die vielen angesichts der vielen Übereinstimmungen gar nicht bewusst sind und darauf basierend erklären, dass aufgrund der kulturellen Unterschiede unser Christentum in Deutschland logischerweise eine andere Ausprägung haben muss. Es geht nicht darum, wer besser und wer schlechter ist: Das wäre derselbe Fehler, den alle Christen machen, die den Verstand gegen den Heiligen Geist ausspielen.

Das Christentum bei uns hat dagegen ein komplett anderes Erbe: Seit der Reformation geht es in unserem Christentum auch immer um das Lesen, das Verstehen (das waren ja Herzensanliegen Luthers, die ihn zur verständlichen Bibelübersetzung bewegten), die Calvinisten haben sogar mit dem Herausgeben von Enzyklopädien begonnen. In so einem Klima konnte die Aufklärung viel leichter Fuß fassen und sich auch mit dem Gedankengut der Kirche vermischen. Dadurch hat heute die Logik, das kritische Hinterfragen und auch das Verständnis der Schrift einen ganz anderen Stellenwert: Bei uns kommt man eben nicht damit durch, dass man einfach sagt “Es steht geschrieben” oder “Leiter XY hat das gesagt, wir müssen uns unterordnen und nicht den Gesalbten antasten”. Für uns ist es selbstverständlich, dass jeder Mensch ein Recht auf das “Verstehen” der Dinge hat und selber zu seiner Einsicht kommt, so dass er anschließend mit Luther sagen kann8: “Hier stehe ich und kann nicht anders” – weil ich davon überzeugt bin und das nicht nur glaube, weil mir jemand gesagt hat, dass ich es glauben soll.

FUßNOTEN

(4) Nochmal für alle, die es mit dem Lesen nicht so genau nehmen: Ich bin nicht gegen die Beeinflussung durch das amerikanisches Christentum, im Gegenteil, alle verschiedenen Ausprägungen des Christentums werden sich sowieso gegenseitig beeinflussen. Es geht mir aber darum, dass wir die kulturellen Unterschiede berücksichtigen und verstehen, bei welchen Aspekten wir besonders reflektiert sein müssen. Dies ist kein USA-Bashing und alle Christen, die sowieso gerne gegen amerikanische Prediger hetzen, dürfen diesen Artikel nicht als Bestätigung sehen

(5) John Wesley war ebenfalls überhaupt nicht anti-intellektuell, sondern empfahl seinen Predigern eine reichhaltige Lektüre an Klassikern und moderner Literatur. Seine Nachfolger hielten davon allerdings gar nichts und verwarfen dies sehr schnell. Die methodistischen “Circuit Riders”, die mit ihren “Tent-Meetings” und “Revivals” das Christentum maßgeblich geprägt haben, waren sehr anti-intellektuell und haben Bildung gegen den Heiligen Geist ausgespielt

(6) “William Menzies states that one reason for the lack of general educational was the fact that these schools were more interested in “spiritual development rather than academic excellence.” – Rick Nanez: Full Gospel, Fractured Minds

(7) “Many of the early Pentecostal leaders lacked education. This, of course, did not disqualify them from laboring for the Master. It did, however, set the standard for those who became their followers, for seldom will a student rise above his or her tutor. Several early Pentecostal leaders spoke openly of their disdain for education. It shouldn’t come as a surprise to us that most of these had little formal education themselves. It seems to be our nature (no matter how saintly we are) to place little value on what we do not possess” – Rick Nanez: Full Gospel, Fractured Minds, see also this article in Christianity Today.

(8) Ob Luther das wirklich so gesagt hat, ist höchst umstritten, aber dieses Zitat bringt die Haltung auf den Punkt

Posted by TRLT in Lehre, Verstand & Geist, Video, Zeitgeschehen, 6 comments